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Thilo Krause
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Thilo Krause

SCORE-Modell nach Dilts: Anleitung, ein erfundenes Beispiel, eine Übung und die Kritik

Wie Sie mit dem SCORE-Modell ein Anliegen nach Symptom, Ursache, Ziel, Ressource und Effekt ordnen, bevor Sie nach einer Lösung suchen. Mit der Herkunft aus den Quellen, einer Anleitung in sechs Schritten, einem erfundenen Beispiel aus einem IT-Projekt, einer Übung auf fünf Blättern und einer ehrlichen Kritik.

Person schreibt mit einem Kugelschreiber Notizen auf ein Blatt, daneben steht eine Kaffeetasse

Wer ein Problem hat, sucht meist sofort eine Lösung. Das ist verständlich und oft voreilig. Die erste Lösung zielt in der Regel auf das, was man sieht, also auf das Symptom. Was das Symptom auslöst und was eigentlich an seine Stelle treten soll, bleibt dabei offen.

Das SCORE-Modell zwingt Sie, diese Fragen vorher zu stellen. In diesem Beitrag lesen Sie, woher das Modell stammt und was die Quellen dazu hergeben. Danach folgen die fünf Elemente mit ihren Fragen, eine Anleitung in sechs Schritten, ein erfundenes Beispiel und eine Übung, die Sie allein mit fünf Blättern Papier machen. Am Ende steht, was am Modell belegt ist und was nicht. Die Kurzfassung finden Sie im Lexikoneintrag zum SCORE-Modell.

Was das SCORE-Modell ist

Das SCORE-Modell ist ein Raster aus dem NLP, mit dem Sie ein Anliegen ordnen, bevor Sie etwas verändern. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von fünf englischen Wörtern zusammen. Symptom, Cause, Outcome, Resource und Effect heißen auf Deutsch Symptom, Ursache, Ziel, Ressource und Effekt.

Die fünf Elemente beschreiben einen Weg. Auf der einen Seite steht der Ist-Zustand mit dem Symptom und seiner Ursache. Auf der anderen Seite steht der Soll-Zustand mit dem Ziel und dem, wofür das Ziel gut ist. Die Ressource ist das, was Sie brauchen, um von der einen Seite auf die andere zu kommen. Fehlt eines der fünf Elemente, ist die Beschreibung lückenhaft, und eine Lösung trifft leicht daneben.

Woher das Modell kommt

Das Modell geht auf Robert Dilts und Todd Epstein zurück. Darin stimmen alle Quellen überein, die ich dazu gelesen habe. Beim Jahr gehen sie auseinander. Die Wissensplattform Toolshero nennt 1987, das NLP-Lexikon von Landsiedel spricht von den frühen 1990er-Jahren und verweist auf eine Veröffentlichung von Dilts und Epstein aus dem Jahr 1992.

Nach Toolshero wollten die beiden ein praktisches Vorgehen beschreiben, mit dem Coaches und Berater ein Problem analysieren und dann gezielt auf eine Veränderung hinarbeiten. In NLP-Kreisen wird das Modell mit dem Satz beschrieben, es lege die kleinste Menge an Information fest, die man für eine Veränderung braucht. So steht es zum Beispiel in der Beschreibung einer Folge des Brain Language Podcast. Das ist eine Behauptung der Praktiker. Geprüft hat sie, soweit ich sehen kann, niemand.

Im NLP-Curriculum gehört das SCORE-Modell meist zum Master. Den Unterschied zwischen den Ausbildungsstufen beschreibe ich im Beitrag NLP Master und Practitioner.

Die fünf Elemente und ihre Fragen

Symptom. Woran merken Sie, dass etwas nicht stimmt? Was genau geschieht, wann, wie oft und wer ist dabei? Das Symptom ist der Teil des Problems, den Sie bewusst wahrnehmen. Beschreiben Sie es so, dass ein Außenstehender es beobachten könnte.

Ursache. Was hat das Symptom ausgelöst, und was hält es aufrecht? Die Ursache liegt meist weniger offen als das Symptom. Oft gibt es mehrere, und die erste, die Ihnen einfällt, ist selten die ganze Erklärung.

Ziel. Was soll an die Stelle des Symptoms treten? Ein brauchbares Ziel beschreibt, was da sein soll. Was nur wegsoll, ist noch kein Ziel. Was NLP unter einem brauchbaren Ziel versteht, steht bei den wohlgeformten Zielen.

Effekt. Was folgt, wenn das Ziel erreicht ist? Wofür ist es gut, in einem Monat und in einem Jahr? Der Effekt erklärt, warum sich die Mühe lohnt. Wenn Ihnen hier nichts einfällt, ist das ein Hinweis, dass das Ziel noch nicht Ihres ist.

Ressource. Was brauchen Sie, um vom Symptom zum Ziel zu kommen? Das kann Wissen sein, eine Fähigkeit, eine Person oder ein Zustand, den Sie aus einer anderen Lage kennen. Diese engere Bedeutung heißt im NLP Ressourcenzustand.

Die Reihenfolge der Buchstaben ist nicht die Reihenfolge im Gespräch. Ich halte es für sinnvoll, nach dem Symptom zuerst das Ziel und den Effekt zu klären. Die Suche nach Ursachen ufert ohne Ziel leicht aus, und die Ressource lässt sich erst bestimmen, wenn klar ist, wohin der Weg führt.

Anleitung in sechs Schritten

  1. Legen Sie fünf Plätze fest. Schreiben Sie die fünf Elemente auf je ein Blatt. Eine naheliegende Anordnung ist eine Linie in zeitlicher Folge, links die Ursache, dann das Symptom, dann das Ziel und rechts der Effekt. Die Ressource legen Sie etwas abseits, denn sie gehört an keinen festen Zeitpunkt. Im NLP heißen solche Plätze Bodenanker. Am Tisch genügen fünf Karten.
  2. Beschreiben Sie das Symptom. Stellen Sie sich auf das Blatt und schildern Sie die letzte Situation, in der das Problem auftrat. Notieren Sie, was Sie gesehen, gehört und gespürt haben, ohne es zu bewerten.
  3. Klären Sie Ziel und Effekt. Gehen Sie zum Ziel und beschreiben Sie, was dort stattdessen geschieht. Gehen Sie dann einen Platz weiter zum Effekt und fragen Sie, was daraus folgt. Wenn der Effekt Sie nicht anspricht, gehen Sie zurück und formulieren das Ziel neu.
  4. Suchen Sie die Ursache. Gehen Sie hinter das Symptom zurück. Fragen Sie, wann es zum ersten Mal auftrat, was davor geschah und was es heute am Laufen hält. Schreiben Sie mehr als eine mögliche Ursache auf.
  5. Bestimmen Sie die Ressource. Treten Sie neben die Linie und fragen Sie, was Ihnen auf dem Weg vom Symptom zum Ziel fehlt. Suchen Sie auch nach Situationen, in denen Ihnen das Gewünschte schon gelingt. Was Sie dort können, ist oft die Ressource.
  6. Leiten Sie einen ersten Schritt ab. Sehen Sie sich alle fünf Blätter an. Setzt Ihr Schritt an der Ursache an, oder nur am Symptom? Notieren Sie einen Schritt, den Sie in der nächsten Woche gehen können.

Manchmal zeigt sich in Schritt 4, dass die Ursache bei einer Überzeugung liegt und nicht im Verhalten oder im Umfeld. Dann hilft ein zweites Raster, die sechs logischen Ebenen nach Dilts. Sie fragen, auf welcher Ebene ein Problem liegt. Das SCORE-Modell fragt, wie es aufgebaut ist.

Ein erfundenes Beispiel: der Projektleiter im Lenkungsausschuss

Das folgende Beispiel ist erfunden. Es zeigt, wie die fünf Fragen ein Anliegen verschieben können.

Markus leitet in einem mittelständischen Unternehmen die Einführung einer neuen Lagersoftware. Einmal im Monat berichtet er dem Lenkungsausschuss, in dem auch der Geschäftsführer sitzt. Seine Lösungsidee steht fest, bevor er anfängt. Er will an seiner Präsentationstechnik arbeiten und hat schon ein Rhetorikseminar herausgesucht.

Das Symptom beschreibt er genau. Die ersten Folien laufen gut. Sobald der Geschäftsführer eine Zwischenfrage stellt, bekommt er Herzklopfen, verliert den Faden und liest danach nur noch ab. Zweimal hat der Ausschuss die Entscheidung über das nächste Budget vertagt.

Als Ziel schreibt er zuerst „nicht mehr nervös sein". Das sagt nur, was wegsoll. Er formuliert es um. Bei einer Rückfrage gibt er eine Antwort in zwei Sätzen und kehrt dann zu seiner Folie zurück. Der Effekt wäre, dass der Ausschuss in der Sitzung entscheidet und sein Team nicht vier Wochen auf die Freigabe wartet.

Bei der Ursache stockt er. Sein erster Gedanke ist, er sei eben kein Redner. Als er genauer hinsieht, fällt ihm auf, wann das Herzklopfen kommt. Es kommt bei Fragen zu Kosten und Terminen. Bei technischen Fragen bleibt er ruhig. Die Zahlen stehen in einer Tabelle aus dem Controlling, die er vor der Sitzung einmal überfliegt. Die Folien bereitet er sorgfältig vor, die Fragen nie.

Als Ressource fällt ihm zuerst die Kollegin aus dem Controlling ein, die die Tabelle pflegt. Dann bemerkt er etwas Zweites. In den Abstimmungen mit den Entwicklern beantwortet er jeden Tag Fragen, ohne nachzudenken, weil er dort jede Zahl kennt.

Das Rhetorikseminar bucht er vorerst nicht. Stattdessen schreibt er vor der nächsten Sitzung zehn Fragen auf, die der Geschäftsführer stellen könnte, und geht die Kostenfragen eine halbe Stunde lang mit der Kollegin durch. In der Sitzung kann er zwei Fragen nicht beantworten. Er sagt, dass er die Zahlen bis Freitag nachliefert, und macht weiter. Der Ausschuss gibt das Budget frei.

Das Seminar hätte am Symptom angesetzt. Es hätte ihm vielleicht geholfen, ruhiger zu wirken, die Lücke bei den Zahlen aber gelassen. Wer bei Auftritten trotzdem starke Nervosität spürt, findet im Beitrag Lampenfieber überwinden mit NLP eigene Schritte dafür.

Übung: ein eigenes Anliegen in 30 Minuten ordnen

Für diese Übung brauchen Sie fünf Blätter Papier, einen Stift und ein berufliches Anliegen, das Sie schon eine Weile beschäftigt. Gut geeignet sind Probleme, für die Sie schon eine Lösung im Kopf haben, die Sie aber noch nicht umgesetzt haben.

  1. Beschriften Sie die Blätter. Ursache, Symptom, Ziel, Effekt, Ressource. Legen Sie die ersten vier in dieser Reihenfolge auf den Boden und die Ressource daneben.
  2. Symptom, 5 Minuten. Schreiben Sie auf, woran Sie das Problem zuletzt gemerkt haben. Mindestens drei Sätze, die jemand anders beobachten könnte.
  3. Ziel und Effekt, 10 Minuten. Schreiben Sie das Ziel in einem Satz auf, der beschreibt, was stattdessen da ist. Schreiben Sie auf das Blatt Effekt, was sich in einem halben Jahr dadurch verändert hat.
  4. Ursache, 10 Minuten. Schreiben Sie mindestens drei mögliche Ursachen auf. Die erste, die Ihnen einfällt, streichen Sie nicht, aber Sie geben sich mit ihr nicht zufrieden. Hilfreich ist die Frage, wann das Symptom nicht auftritt, und was dann anders ist.
  5. Ressource, 5 Minuten. Notieren Sie, wer oder was Ihnen auf dem Weg helfen könnte. Schreiben Sie dazu eine Situation auf, in der Ihnen etwas Ähnliches schon gelingt.

Vergleichen Sie danach Ihre ursprüngliche Lösung mit den fünf Blättern. Wenn sie nur zum Symptom passt, überlegen Sie, welcher Schritt an einer der Ursachen ansetzen würde. Und wenn Sie beim Ziel merken, dass es Kosten hat, die Sie bisher nicht bedacht haben, prüfen Sie es mit dem Ökologie-Check.

Kritik und Grenzen

Eine Studie, die das SCORE-Modell prüft, habe ich nicht gefunden. Das Landsiedel-Lexikon schreibt, es gebe nur wenige wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit des Modells bestätigen. Welche das sein sollen, nennt es nicht. Ich kenne keine. Wie es um die Belege für NLP insgesamt steht, fasse ich im Abschnitt Kritik an NLP: Was die Forschung sagt zusammen.

Belegt ist also nicht, dass Sie mit dem SCORE-Modell schneller oder zuverlässiger an ein Ziel kommen als ohne. Unbelegt ist auch der Satz, die fünf Elemente seien die kleinste Menge an Information, die eine Veränderung braucht. Dass ein Fragenraster beim Nachdenken hilft, ist plausibel. Das leistet allerdings jedes ordentliche Raster.

Vier Einwände halte ich für berechtigt:

  • Die Ursache ist oft eine Deutung. Was Sie im Rückblick als Ursache benennen, ist eine Erklärung, die Sie sich zurechtlegen. Sie kann stimmen. Sie kann aber auch nur die Geschichte sein, die am besten klingt. Behandeln Sie die Ursache als Vermutung, die sich am nächsten Schritt bewähren muss.
  • Ein Feld verleitet zu einer einzigen Antwort. In Teams und Organisationen hat ein Symptom fast immer mehrere Ursachen. Wer das Feld mit einem Wort füllt, vereinfacht zu stark.
  • Ähnliche Raster gibt es außerhalb des NLP. Eine Ist-Soll-Analyse mit Ursachen und Maßnahmen macht fast dasselbe, und das GROW-Modell aus dem Coaching fragt ebenfalls nach Ziel und Ist-Zustand. Eigen ist dem SCORE-Modell die Frage nach dem Effekt und die Arbeit mit Plätzen im Raum. Ob gerade das einen Unterschied macht, ist offen.
  • Es ist kein Diagnoseinstrument. Das Wort Symptom ist alltagssprachlich gemeint. Körperliche oder seelische Beschwerden gehören zu einer Ärztin oder einem Psychotherapeuten, nicht auf ein Blatt am Boden.

Zwei Grenzen kommen aus der Praxis. Wenn Ihnen für die Ursache Fakten fehlen, etwa die Zahl aus dem Controlling oder die Sicht eines Kunden, bestätigt das Raster nur, was Sie schon wissen. Holen Sie die fehlende Information, bevor Sie weitermachen. Und wenn eine Entscheidung schnell fallen muss, ist ein Durchgang durch fünf Blätter zu viel. Dann reicht die Frage, ob Ihre Lösung am Symptom oder an der Ursache ansetzt.

Häufige Fragen

Was ist das SCORE-Modell?

Das SCORE-Modell ist ein Raster aus dem NLP, das ein Anliegen nach fünf Elementen ordnet: Symptom, Ursache, Ziel, Ressource und Effekt. Es soll verhindern, dass Sie eine Lösung suchen, bevor klar ist, was das Problem auslöst und was stattdessen da sein soll.

Wofür stehen die Buchstaben S, C, O, R und E?

Sie stehen für die englischen Wörter Symptom, Cause, Outcome, Resource und Effect. Auf Deutsch heißen sie Symptom, Ursache, Ziel, Ressource und Effekt.

Wer hat das SCORE-Modell entwickelt?

Robert Dilts und Todd Epstein. Die Jahresangaben gehen auseinander. Toolshero nennt 1987, das Landsiedel-Lexikon die frühen 1990er-Jahre mit Verweis auf eine Veröffentlichung von 1992.

Ist das SCORE-Modell wissenschaftlich belegt?

Nein. Eine Studie, die das Modell prüft, habe ich nicht gefunden. Das Modell ist ein Fragenraster und kein Verfahren mit nachgewiesener Wirkung. Ob es Ihnen beim Ordnen eines Anliegens hilft, finden Sie am besten an einem eigenen Beispiel heraus.

Was ist der Unterschied zu den logischen Ebenen?

Beide Modelle stammen von Robert Dilts. Die logischen Ebenen fragen, auf welcher Ebene ein Problem liegt, etwa im Verhalten, bei den Fähigkeiten oder bei einer Überzeugung. Das SCORE-Modell fragt, wie das Problem aufgebaut ist und wohin es führen soll. Beide lassen sich kombinieren.

Kann ich das SCORE-Modell allein anwenden?

Ja. Fünf Blätter Papier genügen, die Übung oben in diesem Beitrag ist für eine Person gedacht. Schwerer ist es allein, die eigene erste Erklärung für die Ursache zu hinterfragen. Dabei hilft ein Gegenüber, das nachfragt.

Das SCORE-Modell mit Begleitung durchgehen

Allein lernen Sie, die fünf Fragen zu stellen. Schwerer ist es, bei der eigenen Ursache nicht bei der ersten Erklärung stehen zu bleiben und eine Ressource zu finden, die Sie schon haben. Im Coaching für Beruf und Führung arbeiten wir an Anliegen, die Sie gerade beschäftigen. Wer eine Idee prüfen will statt ein Problem zu ordnen, findet in der Disney-Strategie das passende Format. Einen Überblick über die übrigen Techniken mit Kurzanleitungen gibt die Liste der NLP-Techniken.

Möchten Sie das auf Ihren Kontext übertragen?

Im Erstgespräch sprechen wir über Ihr konkretes Anliegen und einen sinnvollen nächsten Schritt.