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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Wohlgeformte Ziele: die Kriterien aus dem NLP

Kurzdefinition

Wohlgeformte Ziele erfüllen eine Reihe von Kriterien aus dem NLP. Sie sind positiv formuliert, liegen im eigenen Einfluss, lassen sich an konkreten Wahrnehmungen überprüfen und passen zum restlichen Leben.

Ausführlich erklärt

Die Kriterien gehören zu den ältesten Werkzeugen im NLP und stehen in fast jedem Practitioner-Curriculum. Im Englischen heißen sie well-formed outcomes. Länge und Reihenfolge der Liste unterscheiden sich je nach Schule. Diese Punkte tauchen fast überall auf:

  • Positiv formuliert. Das Ziel beschreibt, was da sein soll, statt was wegsoll. "Weniger Stress in Meetings" wird zu "In Meetings sage ich ruhig, wenn ich einen Punkt anders sehe".
  • Im eigenen Einfluss. Sie können das Ziel durch eigenes Handeln erreichen und halten. "Mein Chef soll mich mehr wertschätzen" erfüllt das nicht.
  • Sinnesspezifisch überprüfbar. Woran merken Sie, dass Sie es erreicht haben? Was sehen und hören Sie dann, und was tun Sie anders?
  • Im Kontext verortet. Wann, wo und mit wem soll das Ziel gelten, und wo ausdrücklich nicht?
  • Mit Ressourcen versehen. Was brauchen Sie dafür, und was davon haben Sie schon?
  • Ökologisch. Was kostet das Ziel, und wen betrifft es? Das prüft der Ökologie-Check.
  • Mit einem ersten Schritt. Was tun Sie als Erstes, und wann?

Im Vergleich mit SMART fällt auf, worauf die Liste Wert legt. SMART fragt vor allem, ob ein Ziel messbar und terminiert ist. Die NLP-Kriterien fragen zusätzlich, ob es überhaupt in Ihrer Hand liegt, woran Sie es im Alltag bemerken und was es im Umfeld auslöst. Welche Fragen darüber hinaus entscheiden, ob ein Vorhaben die ersten schwierigen Wochen übersteht, beschreibe ich im Beitrag Ziele, die tragen: Warum SMART allein zu wenig ist.

Beispiel: der Wunsch nach weniger Meetings

Ein Bereichsleiter sagt im Coaching, er wolle weniger in Meetings sitzen. Als Ziel taugt der Satz wenig. Er sagt nur, was wegsoll, und lässt offen, woran er den Erfolg merken würde.

Positiv formuliert lautet das Ziel bald anders. Er will zwei Vormittage pro Woche ohne Termine, um an der Strategie für das nächste Jahr zu arbeiten. Damit ist auch klar, wofür die gewonnene Zeit da ist. Liegt das im eigenen Einfluss? Teilweise. Seine eigenen Termine kann er verschieben, die Einladungen anderer nicht. Er formuliert das Ziel deshalb so, dass es von ihm abhängt. Dienstag- und Donnerstagvormittag blockt er im Kalender und nimmt dort nur Termine an, die er selbst für dringend hält.

Woran merkt er nach vier Wochen den Erfolg? An einem ersten Entwurf des Strategiepapiers und daran, dass er die Blöcke in mindestens drei von vier Wochen gehalten hat. Beim Ökologie-Check zeigt sich, dass ihn zwei Teamleiter bisher gerade dienstags spontan erreichen. Er bietet ihnen dafür einen festen Termin am Mittwoch an.

Der erste Schritt ist klein. Noch am selben Tag trägt er die Blöcke für die nächsten acht Wochen ein und schreibt seinem Team, warum.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Einzelne Kriterien haben Entsprechungen in der Forschung. Die Liste als Ganzes ist meines Wissens nicht untersucht. Zwei Befunde passen gut:

  • Annähern statt vermeiden. Andrew Elliot, Kennon Sheldon und Marcy Church fanden 1997, dass viele Vermeidungsziele, also Ziele der Art "nicht mehr X", mit geringerem Wohlbefinden einhergingen. Das spricht für positive Formulierungen. Dass ein umformuliertes Ziel häufiger erreicht wird, belegt es nicht.
  • Wann, wo, was zuerst. Peter Gollwitzer und Paschal Sheeran fassten 2006 in einer Metaanalyse 94 unabhängige Untersuchungen zu Wenn-dann-Plänen zusammen. Wer vorher festlegt, in welcher Situation er was tut, setzt Ziele deutlich häufiger um. Kontext und erster Schritt in der NLP-Liste zielen in dieselbe Richtung.

Das häufigste Missverständnis ist, ein sauber formuliertes Ziel sei schon die halbe Umsetzung. Die Kriterien prüfen die Formulierung. Ob ein Ziel die erste volle Woche übersteht, hängt davon ab, was Sie für diese Woche vorher entschieden haben. Mehr dazu steht im Beitrag über Gewohnheiten und den ersten schlechten Tag.

Ein zweites betrifft die positive Formulierung. Manche Ausbildungen begründen sie damit, das Unbewusste verstehe keine Verneinung. Die Regel braucht diese Begründung nicht. Positive Ziele sind nützlich, weil sie eine Richtung beschreiben, in die Sie handeln können.

Verwandte Begriffe

  • Ökologie-Check

    Das letzte Kriterium ausführlich, mit Fragen und Grenzen.

  • Chunking

    Wie Sie einen allgemeinen Wunsch in überprüfbare Teile zerlegen.

  • Timeline (Zeitlinie)

    Ein Ziel in der Zukunft verorten und den Weg dorthin rückwärts planen.

  • Ziele, die tragen

    Preis, Einfluss und die erste Ausnahme, die in keinem Akronym vorkommen.

Wohlgeformte Ziele im Training üben

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