Chunking im NLP
Kurzdefinition
Chunking bezeichnet im NLP den bewussten Wechsel der Abstraktionsebene. Beim Chunk Up gehen Sie vom Einzelfall zum Zweck, beim Chunk Down zerlegen Sie eine allgemeine Aussage in konkrete Teile, und beim lateralen Chunking suchen Sie eine andere Möglichkeit auf derselben Ebene.
Ausführlich erklärt
Das Wort stammt aus der Gedächtnisforschung. George A. Miller beschrieb 1956 in seinem Aufsatz über die "magische Zahl sieben", dass Menschen Informationen zu größeren Einheiten bündeln, um mehr davon zu behalten. Eine Telefonnummer merkt man sich in Blöcken und nicht Ziffer für Ziffer. NLP hat den Begriff übernommen und die Bedeutung verschoben. Gemeint ist dort die Größe des Ausschnitts, über den ein Gespräch gerade läuft.
Jede Richtung hat ihre typischen Fragen:
- Chunk Up. "Wofür ist das gut?", "Was erreichen Sie damit?", "Wofür ist das ein Beispiel?" Die Antworten werden allgemeiner und führen zu Zwecken und Werten.
- Chunk Down. "Woran genau?", "Was gehört dazu?", "Was wäre ein konkretes Beispiel?" Die Antworten werden kleiner und überprüfbarer.
- Lateral. "Wie ließe sich derselbe Zweck anders erreichen?" Dafür gehen Sie meist erst eine Ebene nach oben und dann auf einem anderen Weg wieder nach unten.
In Ausbildungen wird das oft als Hierarchie der Ideen gezeichnet, mit dem Abstrakten oben und dem Konkreten unten. Die beiden Sprachmodelle des NLP haben darin ihren Platz. Das Milton-Modell arbeitet bewusst mit allgemeiner Sprache, also weit oben. Die Fragen des Meta-Modells holen vage Aussagen nach unten ins Konkrete.
Nützlich ist Chunking vor allem, wenn zwei Menschen aneinander vorbeireden, weil einer über Ziele spricht und der andere über Einzelheiten. Wer die Ebene des anderen erkennt, kann erst dort anschließen und dann bewusst wechseln.
Beispiel: zwei Abteilungen, ein Restbudget
Vertrieb und Produktentwicklung streiten darüber, wofür das Restbudget des Jahres ausgegeben wird. Der Vertrieb will eine Messe, die Entwicklung einen zusätzlichen Testplatz. Auf dieser Ebene schließen sich die Vorschläge aus, und jedes Argument verhärtet die Fronten.
Die Moderatorin geht mit beiden nach oben. Wofür braucht der Vertrieb die Messe? Um Kontakt zu drei Großkunden aufzubauen, die das neue Produkt im nächsten Jahr testen sollen. Wofür braucht die Entwicklung den Testplatz? Damit das neue Produkt zum Marktstart stabil läuft. Eine Ebene höher wollen beide dasselbe, nämlich ein neues Produkt, das bei großen Kunden funktioniert.
Von dort geht sie lateral wieder nach unten. Gibt es einen Weg, die drei Großkunden zu erreichen, der weniger kostet als eine Messe? Der Vertrieb schlägt vor, sie zu einem Testtag in die eigene Entwicklung einzuladen. Dann folgt der Chunk Down. Wer lädt ein, wann findet der Tag statt, und was muss bis dahin am Testplatz laufen?
Ob die Lösung trägt, entscheidet sich an diesen Einzelheiten. Das Chunking hat sie nicht geliefert. Es hat den Streit von der Frage "Messe oder Testplatz" zu der Frage geführt, wie beide ihr gemeinsames Ziel erreichen.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Dass sich abstraktes und konkretes Denken unterscheiden und durch Fragen anstoßen lassen, kennt auch die Psychologie. Aus der Construal-Level-Theorie von Yaacov Trope und Nira Liberman stammen Experimente, in denen wiederholte Warum-Fragen Versuchspersonen in eine abstrakte und Wie-Fragen in eine konkrete Denkweise bringen. Die Fragerichtungen des Chunkings ähneln dem stark. Ein Beleg für die NLP-Technik als Gesprächsmethode ist das aber nicht. Studien, die Chunking in Verhandlungen oder Konflikten prüfen, kenne ich nicht.
In der Anwendung sehe ich drei typische Fehler:
- Zu weit nach oben. Wer bei jeder Meinungsverschiedenheit nach dem höheren Zweck fragt, landet schnell bei Sätzen wie "Wir wollen doch alle, dass die Firma erfolgreich ist". Darauf können sich alle einigen, entschieden ist damit nichts.
- Nicht wieder nach unten. Eine Einigung auf der oberen Ebene fühlt sich wie ein Durchbruch an. Ohne Chunk Down bis zu Namen und Terminen bleibt sie folgenlos.
- Fragen als Verhör. Fünfmal hintereinander "Und wofür ist das gut?" wirkt bohrend. Jede Frage braucht einen Anlass im Gespräch und darf nicht nach Schema kommen.
Wie Sie Konflikte klären, solange sie noch klein sind, steht im Beitrag Konflikte werden nicht größer, nur teurer.
Verwandte Begriffe
- Milton-Modell
Sprachmuster, die bewusst auf der allgemeinen Ebene bleiben.
- Meta-Modell
Klärungsfragen, die vage Aussagen ins Konkrete holen.
- Logische Ebenen
Ein Modell, das Aussagen nach der Art der Frage statt nach ihrer Größe ordnet.
- Wohlgeformte Ziele
Wie Chunk Down aus einem Wunsch ein überprüfbares Ziel macht.