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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Die Timeline im NLP

Kurzdefinition

Die Timeline, auf Deutsch Zeitlinie, beschreibt, wie ein Mensch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in seiner Vorstellung räumlich anordnet, etwa hinter sich und vor sich oder von links nach rechts. Timeline-Arbeit nutzt diese Anordnung, um Erinnerungen und Pläne mit Abstand zu betrachten.

Ausführlich erklärt

Fragen Sie jemanden, wo für ihn das letzte Jahr liegt und wo das nächste, zeigen die meisten ohne langes Nachdenken in eine Richtung. Auf dieser Beobachtung baut die Timeline auf. Im NLP wurde sie in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre ausgearbeitet. Steve und Connirae Andreas beschrieben 1987 in Change Your Mind and Keep the Change, wie Menschen Zeit räumlich darstellen. Tad James und Wyatt Woodsmall veröffentlichten 1988 Time Line Therapy and the Basis of Personality. James machte daraus später ein eigenes Verfahren mit geschütztem Markennamen.

Von James und Woodsmall stammt auch die Unterscheidung, die in fast jeder Ausbildung vorkommt:

  • In Time. Die Linie läuft durch den eigenen Körper, die Vergangenheit liegt meist hinten, die Zukunft vorn. Wer so organisiert ist, soll stärker im Moment leben und Termine eher als dehnbar erleben.
  • Through Time. Die ganze Linie liegt vor einem, oft von links nach rechts. Diese Menschen sollen Vergangenheit und Zukunft gleichzeitig überblicken und pünktlicher planen.

In der Praxis liegt die Linie häufig auf dem Boden, mit Zetteln für einzelne Zeitpunkte. Die Person geht sie ab, bleibt an einem Punkt stehen, schaut zurück oder nach vorn und tritt auch neben die Linie, um sie von außen zu sehen. Dieser Schritt zur Seite entspricht der Beobachterposition aus den Wahrnehmungspositionen.

Ein zweiter Einsatz ist die Zielarbeit. Ein Ziel bekommt einen Ort auf der Linie, und von dort aus schaut die Person zurück auf die Schritte, die dorthin geführt haben.

Beispiel: der Projektplan vom Ende her gelesen

Ein Abteilungsleiter soll bis Jahresende ein neues Abrechnungssystem einführen. Es ist Februar, und er kommt beim Planen nicht über die ersten Wochen hinaus. Alles danach bleibt verschwommen.

Im Coaching legt er die Monate als Zettel auf den Boden. Er stellt sich auf den Dezember und beschreibt, was er dort vor sich sieht. Das System läuft, die erste Monatsabrechnung ist durch. Dann geht er Schritt für Schritt zurück und fragt bei jedem Monat, was bis dahin fertig sein muss. Im Oktober steht der Testlauf, im Juli die Datenübernahme, im April die Entscheidung über den Anbieter.

Auf dem Rückweg fällt ihm auf, dass die Sommerferien genau in die Datenübernahme fallen. Am Schreibtisch hatte er das übersehen. Ob er den Fehler ohne Zettel auf dem Boden auch gefunden hätte, lässt sich nicht sagen. Rückwärts planen kann man auch auf einem Blatt Papier. Für ihn war die Linie im Raum der Anlass, den Plan einmal vom Ende her durchzugehen.

Mehr leistet die Übung hier nicht. Wer welchen Teil übernimmt und ob das Budget reicht, klärt er danach mit seinem Team.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Dass Menschen Zeit räumlich denken, ist gut belegt. Die Kognitionspsychologie spricht von einer mentalen Zeitlinie. Ihre Richtung hängt aber von Sprache und Kultur ab. Lera Boroditsky und Alice Gaby ließen 2010 Bildfolgen ordnen, etwa Fotos eines Mannes in verschiedenen Lebensaltern. Englischsprachige Versuchspersonen legten sie von links nach rechts. Angehörige der Pormpuraaw-Gemeinschaft in Australien legten sie von Osten nach Westen, egal in welche Richtung sie gerade saßen. Eine Zeitlinie, die bei allen Menschen gleich verläuft, gibt es also nicht. Die Übung muss bei der Anordnung der jeweiligen Person anfangen.

Für die weitergehenden Behauptungen fehlen die Belege. Studien, die zeigen, dass sich In-Time- und Through-Time-Menschen in Persönlichkeit oder Pünktlichkeit unterscheiden, kenne ich nicht. Auch für Time Line Therapy als Verfahren gegen belastende Gefühle gibt es keine belastbaren Wirksamkeitsstudien. Den Stand der Forschung zu NLP insgesamt fasse ich im Beitrag Was NLP in der Praxis leisten kann zusammen.

Heikel wird es, wenn eine Übung auf der Linie nach einer frühen Ursache sucht, etwa einem Erlebnis aus der Kindheit, das ein heutiges Problem erklären soll. Die Psychologin Elizabeth Loftus hat in vielen Experimenten gezeigt, dass suggestive Fragen und Vorstellungsübungen Erinnerungen verändern. Manche Versuchspersonen erinnerten sich danach sogar an Ereignisse, die nie stattgefunden hatten. Wer auf der Zeitlinie eine Ursache sucht, findet manchmal eine, die erst durch die Suche entstanden ist. Belastende Erfahrungen aus der Vergangenheit gehören in eine Psychotherapie und nicht in ein Kommunikationstraining.

Verwandte Begriffe

  • Submodalitäten

    Der Ort einer Erinnerung auf der Linie ist im Grunde eine Submodalität.

  • Wahrnehmungspositionen

    Der Blick von außen auf die Linie nutzt die Beobachterposition.

  • Wohlgeformte Ziele

    Welche Kriterien ein Ziel erfüllen sollte, bevor es einen Platz auf der Linie bekommt.

  • Glaubenssätze

    Hinderliche Überzeugungen an Belegen prüfen, statt nach ihrem Ursprung zu graben.

Timeline (Zeitlinie) im Training üben

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