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Thilo Krause
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Thilo Krause

Six-Step-Reframing: Anleitung in sechs Schritten, mit Beispiel und Übung

Wie Sie mit dem Six-Step-Reframing ein Verhalten angehen, das Sie ändern wollen und trotzdem immer wieder zeigen. Mit der Herkunft aus dem Buch Frogs into Princes, den sechs Schritten und den Fragen dazu, einem ausgedachten Beispielgespräch, einer Übung zu zweit, typischen Fehlern und den Fällen, in denen das Format nicht passt.

Notizbuch und Stift auf einem Schreibtisch

Six-Step-Reframing ist ein NLP-Format für ein Verhalten, das Sie ändern wollen und trotzdem immer wieder zeigen. Es geht davon aus, dass dieses Verhalten einen Zweck erfüllt, und sucht in sechs Schritten andere Wege zum selben Zweck. Zum Schluss prüft es, ob sich etwas in Ihnen gegen die neuen Wege sträubt. Sie finden es auch unter den Namen 6-Step-Reframing und Sechs-Schritte-Reframing.

Dieser Beitrag beschreibt jeden Schritt mit den Fragen, die Sie stellen, und dem, worauf Sie dabei achten. Danach folgen ein ausgedachtes Beispielgespräch, eine Übung zu zweit und die Fälle, in denen das Format nicht passt. Am Ende steht, was über die Wirkung bekannt ist. Die kurze Begriffserklärung finden Sie im Lexikoneintrag zum Six-Step-Reframing.

Woher das Format kommt

Richard Bandler und John Grinder, die beiden Begründer des NLP, haben das Six-Step-Reframing 1979 in ihrem Buch „Frogs into Princes" veröffentlicht. Das Buch ist laut Impressum ganz aus Tonbandaufnahmen ihrer Einführungsseminare zusammengestellt. Herausgegeben hat es Steve Andreas bei Real People Press. Im dritten Kapitel, „Finding New Ways: Reframing", führen sie das Format mit einem Seminarteilnehmer vor und fassen es danach in einer Übersicht der sechs Schritte zusammen. Auf Deutsch ist das Buch unter dem Titel „Neue Wege der Kurzzeit-Therapie" bei Junfermann erschienen.

1982 folgte das Buch „Reframing". In der Buchbeschreibung heißt es, das Six-Step-Reframing sei schon in „Frogs into Princes" erschienen, das neue Buch beschreibe weitere Formen des Reframings. Ein Kapitel der deutschen Ausgabe heißt „Die Feinheiten des Sechs-Schritte-Reframings".

Der Gedanke dahinter steht in „Frogs into Princes" am Anfang des Kapitels. Bandler und Grinder nehmen an, dass ein Verhalten, so seltsam es wirkt, die beste Antwort ist, die ein Mensch in dieser Lage gerade hat. Oft hat ein Verhalten einen Nebengewinn, den sie mit einem Begriff aus der Psychotherapie „secondary gain" nennen. Ein Verhalten zu ändern, ohne diesen Nebengewinn zu beachten, nennen sie verantwortungslos. Ihr Beispiel ist eine Frau, die immer wieder zunahm, nachdem sie abgenommen hatte. Im Reframing zeigte sich, dass der Teil, der sie essen ließ, ihre Ehe schützen wollte. Das Format trennt deshalb die Absicht vom Verhalten und behält die Absicht.

Darin stecken zwei Gedanken, die im NLP eigene Namen haben. Der Satz, dass hinter jedem Verhalten eine positive Absicht steht, gehört zu den Grundannahmen des NLP. Die Vorstellung, dass ein innerer Anteil für ein Verhalten zuständig ist und sich mit ihm verhandeln lässt, heißt Teilearbeit.

Zwei Fassungen: mit Signalen oder als Gespräch

In der Fassung von 1979 antworten die inneren Teile über unwillkürliche Signale. Sie stellen eine Frage nach innen, und als Antwort gilt ein Signal, etwa ein Körpergefühl, das ohne Ihr Zutun stärker oder schwächer wird. Bandler und Grinder raten, bei Gefühlen, Bildern oder Geräuschen zu bleiben und keine Worte als Signal zu nehmen, weil sich das Bewusstsein bei Worten zu leicht einmischt. Ob ein Signal unwillkürlich ist, prüfen sie, indem sie fragen, ob jemand es absichtlich erzeugen kann. Die neuen Wege muss in dieser Fassung niemand bewusst kennen.

Die Gesprächsfassung stellt dieselben Fragen und lässt die Antworten aussprechen. Sie ist leichter zu lernen, und Sie sehen am Ende, welche neuen Wege Sie ausprobieren. Ich halte sie für die brauchbarere. Die Anleitung unten beschreibt beide, das Beispiel und die Übung nutzen die Gesprächsfassung.

Six-Step-Reframing: die sechs Schritte

Schritt 1: das Verhalten benennen

Fragen Sie: „Was genau tun Sie, das Sie lassen wollen?" und „Wann und wo passiert es?" In der Übersicht von Bandler und Grinder heißt das Verhalten schlicht „Muster X".

Achten Sie darauf, dass ein Verhalten herauskommt und keine Eigenschaft. „Ich bin unorganisiert" reicht nicht. „Ich schreibe den Wochenbericht jeden Donnerstag bis nach 22 Uhr" reicht. Gut geeignet sind Verhaltensweisen, die Sie sich schon mehrmals abgewöhnen wollten und die zurückkamen.

Schritt 2: Kontakt zum zuständigen Teil aufnehmen

In der Fassung mit Signalen fragen Sie nach innen: „Ist der Teil von mir, der dieses Verhalten steuert, bereit, mit mir zu kommunizieren?" Dann warten Sie auf eine Empfindung und klären, welche Veränderung Ja und welche Nein bedeutet, etwa stärker für Ja und schwächer für Nein.

In der Gesprächsfassung genügt eine einfache Frage: „Wenn ein Teil von Ihnen dieses Verhalten will, was würde er sagen, warum er es tut?" Achten Sie auf den Tonfall und auf Ihr Gegenüber. Wer bei dieser Frage lacht oder abwinkt, ist oft noch nicht bereit, das Verhalten ernst zu nehmen. Dann lohnt sich die Frage, was es schwer macht, darüber zu sprechen.

Schritt 3: Absicht und Verhalten trennen

Fragen Sie: „Was will dieses Verhalten für Sie erreichen?" und bei der ersten Antwort nach: „Und wofür ist das gut?" Bandler und Grinder fragen außerdem, ob die Absicht für das Bewusstsein annehmbar ist.

Achten Sie darauf, dass die Absicht etwas ist, das Sie behalten wollen. „Ich bin eben gewissenhaft" ist eine Selbstbeschreibung. „Ich will morgens nicht von etwas überrascht werden" ist ein Zweck. Wenn die Antwort wie ein Vorwurf an Sie selbst klingt, fragen Sie eine Ebene weiter nach oben. Wie solche Fragen nach dem Zweck funktionieren, zeigt der Beitrag zum Chunking.

Schritt 4: neue Wege finden

In der Fassung von 1979 bittet der zuständige Teil einen „kreativen Teil" um Vorschläge und wählt mindestens drei aus, die den Zweck besser erfüllen als das alte Verhalten. Für jeden ausgewählten Weg kommt das Ja-Signal.

In der Gesprächsfassung sammeln Sie zuerst ohne Bewertung und wählen dann drei aus. Fragen Sie: „Wie ließe sich derselbe Zweck noch erreichen?" Achten Sie darauf, dass jeder Weg den Zweck aus Schritt 3 erfüllt und nicht nur das alte Verhalten verbietet. „Ich höre um 18 Uhr auf" ist ein Vorsatz. „Ich schreibe nach der Abgabe die drei wahrscheinlichsten Rückfragen auf" ist ein neuer Weg zum alten Zweck.

Schritt 5: Zustimmung einholen

Die Frage lautet im Original sinngemäß: „Bist du bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, die drei neuen Wege in den passenden Situationen einzusetzen?" In der Gesprächsfassung fragen Sie: „Welchen dieser Wege probieren Sie beim nächsten Mal aus, und wann ist das?"

Achten Sie auf ein zögerndes Ja. Ein „Ja, eigentlich schon" heißt meist, dass einer der Wege den Zweck doch nicht erfüllt. Dann geht es zurück zu Schritt 4.

Schritt 6: der Ökologie-Check

Fragen Sie: „Gibt es einen anderen Teil in mir, der gegen die neuen Wege Einwände hat?" Gemeint ist hier ein anderer Teil als der aus Schritt 2. Bandler und Grinder nennen diesen Schritt „ecological check". Er soll sicherstellen, dass das neue Verhalten zu allen anderen Teilen eines Menschen passt. Im Deutschen heißt er Ökologie-Check.

Wenn sich ein Einwand meldet, beginnen Sie mit diesem Teil wieder bei Schritt 2. So steht es in der Übersicht von Bandler und Grinder. Sie klären also das Signal, fragen nach der Absicht des Einwands und suchen Wege, die auch diese Absicht erfüllen. Hat der Teil sich schon mit einem eigenen Signal gemeldet, geht es in der Seminarmitschrift gleich mit Schritt 3 weiter. Bandler und Grinder schreiben, dass sie die drei ersten Wege dabei meist stehen lassen und den zweiten Teil bitten, eigene Wege zu finden, die den ersten nicht im Weg stehen. Einen Einwand halten sie für ein gutes Zeichen, weil sich ein weiterer Anteil an der Veränderung beteiligt.

Achten Sie in diesem Schritt auf Ihren Körper und auf kleine Sätze mit „aber". Woran Sie solche Abweichungen bei einem anderen Menschen erkennen, beschreibt der Eintrag zur Kongruenz.

Beispiel (ausgedacht): der Statusbericht am Donnerstagabend

Das folgende Gespräch ist erfunden. Herr Brenner leitet ein Projekt in einem Maschinenbauunternehmen. Jeden Freitag um 9 Uhr tagt der Lenkungskreis, und jeden Donnerstag sitzt er bis nach 22 Uhr an seinem Statusbericht. Er hat sich schon mehrmals vorgenommen, um 18 Uhr fertig zu sein. Das Gespräch nutzt die Gesprächsfassung.

Schritt 1.

Coach: „Was genau tun Sie am Donnerstag, das Sie lassen wollen?"

Herr Brenner: „Ich bin um fünf eigentlich fertig mit dem Bericht. Dann gehe ich die Zahlen noch einmal durch, ändere Formulierungen, schaue in die Tickets. Um zehn sitze ich immer noch dran."

Schritt 2.

Coach: „Wenn ein Teil von Ihnen diese Stunden will, was würde er sagen, warum?"

Herr Brenner lacht kurz. „Dass ich sonst schlecht dastehe. Klingt albern."

Coach: „Nehmen wir es ernst. Was heißt schlecht dastehen?"

Schritt 3.

Herr Brenner: „Dass mich jemand im Lenkungskreis etwas fragt und ich keine Antwort habe. Das ist mir im Frühjahr einmal passiert, beim Budget."

Coach: „Und wofür ist es gut, dass Sie auf jede Frage eine Antwort haben?"

Herr Brenner: „Damit die mir das Projekt weiter zutrauen."

Der Zweck ist also nicht der perfekte Bericht. Er will im Lenkungskreis sicher auftreten, damit man ihm das Projekt weiter zutraut. Diesen Zweck will er behalten.

Schritt 4.

Coach: „Wie könnten Sie am Freitag sicher auftreten, ohne den Donnerstagabend dafür zu brauchen?"

Sie sammeln sieben Ideen, und er wählt drei aus. Um 16 Uhr geht er eine Viertelstunde lang mit der Controllerin die Budgetzahlen durch. Was er dann noch nicht weiß, schreibt er als offenen Punkt in den Bericht. Um 17 Uhr gibt er den Bericht ab und schreibt danach die drei Fragen auf, die er im Lenkungskreis am ehesten erwartet, jeweils mit einer Antwort in zwei Sätzen.

Schritt 5.

Coach: „Welchen dieser Wege probieren Sie nächsten Donnerstag aus?"

Herr Brenner: „Alle drei. Die Fragenliste mache ich sowieso gern."

Schritt 6.

Coach: „Gibt es etwas in Ihnen, das gegen einen dieser Wege ist?"

Herr Brenner zögert. „Die offenen Punkte. Wenn da drei Sachen stehen, die ich nicht weiß, sieht das aus, als hätte ich das Projekt nicht im Griff."

Hier meldet sich ein anderer Teil mit einem Einwand. Der Coach beginnt mit ihm wieder bei Schritt 2 und fragt, was dieser Teil sicherstellen will. Die Antwort ist, dass die Geschäftsführung ihn als jemanden sieht, der den Überblick hat. Die beiden suchen jetzt einen Weg, der dazu passt und die drei ersten Wege stehen lässt. Herr Brenner entscheidet, jeden offenen Punkt mit einem Namen und einem Datum zu versehen. „Liefertermin Getriebe: klärt Frau Okafor mit dem Lieferanten bis Dienstag." So zeigt der Punkt, dass er die Frage kennt und weiß, wer sie bis wann klärt. Auf die Frage, ob jetzt noch etwas dagegen ist, sagt er Nein, ohne zu zögern.

Ob die neuen Wege tragen, zeigt sich in den nächsten Wochen. Das Format hat ihm keine Lösung gegeben. Es hat aus dem Vorsatz „früher aufhören", der mehrmals gescheitert war, eine Frage nach dem Zweck gemacht, und für diesen Zweck gab es mehr als einen Weg.

Übung: Six-Step-Reframing zu zweit

Für diese Übung brauchen Sie eine zweite Person, etwa 40 Minuten und für jeden ein Blatt Papier. A arbeitet an einem eigenen Verhalten, B stellt die Fragen und schreibt mit. Danach tauschen Sie.

  1. A wählt ein kleines Verhalten. Etwas, das im Beruf oder im Alltag stört und nicht gefährlich ist. Zum Beispiel: Sie sagen jeder Zusatzaufgabe zu, Sie schieben einen Anruf vor sich her, Sie unterbrechen im Meeting.
  2. B fragt nach Situation und Häufigkeit. „Wann zuletzt? Wie oft in einer normalen Woche?" B schreibt den Satz auf, mit dem A das Verhalten beschreibt.
  3. B fragt nach dem Zweck. „Was will dieses Verhalten für Sie erreichen?" und mindestens einmal „Und wofür ist das gut?". B schreibt den Zweck mit den Worten von A auf und liest ihn vor. A korrigiert, bis er stimmt.
  4. Gemeinsam sammeln. Fünf Minuten lang schreiben beide Wege auf, die denselben Zweck erfüllen könnten, ohne sie zu bewerten. A wählt drei aus, die den Zweck besser erfüllen als das alte Verhalten.
  5. B fragt nach dem ersten Einsatz. „Welchen Weg probieren Sie zuerst aus, und wann?" Der Termin kommt aufs Blatt.
  6. B fragt nach Einwänden. „Ist etwas in Ihnen gegen einen dieser Wege?" B achtet auf Zögern, ein „eigentlich" oder ein Lachen. Meldet sich ein Einwand, fragt B nach seinem Zweck und sucht mit A einen Weg, der auch diesen erfüllt.

Für B gilt eine Regel. B gibt keine Ratschläge und bewertet die Absicht nicht. Die Vorschläge in Schritt 4 sind Angebote, A entscheidet.

Allein geht die Übung auch, mit den Fragen auf einem Zettel. Bandler und Grinder schreiben, dass das Format der Person ein Vorgehen mitgibt, das sie später allein für Veränderungen in jedem Lebensbereich nutzen kann. Was zu zweit leichter ist: B hört das „aber" in Schritt 6, das Sie selbst überhören. Weitere Übungen für allein finden Sie in NLP-Übungen für zuhause.

Typische Fehler

Die Absicht zu früh festlegen. Die erste Antwort auf „Wozu?" ist oft eine Rechtfertigung. Wer sie übernimmt, sucht Alternativen für den falschen Zweck.

Verbote statt neuer Wege. „Ich höre um 18 Uhr auf" verbietet das alte Verhalten, erfüllt aber den Zweck nicht. Dann kommt das alte Verhalten zurück, oft in anderer Form.

Schritt 6 überspringen. Am Ende einer guten Sitzung möchte niemand einen Einwand hören. Gerade dann lohnt die Frage. Ein Einwand, der erst in der nächsten Woche auftaucht, bringt oft das alte Verhalten zurück.

Ein Signal hineindeuten. Wer in der Fassung mit Signalen auf ein Ja wartet, spürt irgendwann eines. Verlässlicher ist, ob Sie die neuen Wege in der nächsten Woche wirklich nutzen.

Die Absicht verurteilen. „Sie wollen also gut dastehen" klingt nach Vorwurf. Wer sich ertappt fühlt, nennt in der nächsten Runde eine Absicht, die besser klingt, und nicht die wirkliche.

Wo das Format an Grenzen stößt

Ich nutze das Six-Step-Reframing für Gewohnheiten, bei denen Sie selbst entscheiden können, was Sie stattdessen tun. In manchen Lagen passt es nicht:

  • Bei Sucht, Zwängen, Essstörungen und Beschwerden nach belastenden Erlebnissen. Die Frau aus dem Beispiel in „Frogs into Princes" kam auf Überweisung eines Psychiaters zu Bandler und Grinder. In einem Coaching oder in einer Übung zu zweit hat ein solches Thema keinen Platz. Wenn ein Verhalten Ihre Gesundheit gefährdet oder Sie es trotz großer Anstrengung nicht lassen können, sind Ihre Hausärztin, Ihr Hausarzt oder eine psychotherapeutische Praxis die richtigen Ansprechpartner.
  • Wenn das Umfeld das Verhalten erzeugt. Wer abends Mails beantwortet, weil der Vorgesetzte bis zum nächsten Morgen eine Antwort erwartet, hat keinen inneren Teil, der verhandeln müsste. Das gehört in ein Gespräch mit der Führungskraft.
  • Wenn das Verhalten an einem festen Auslöser hängt und kaum einen Zweck hat. Manches ist schlicht eine alte Gewohnheit. Dann passt eine Technik besser, die am Auslöser ansetzt, etwa die Swish-Technik.
  • Wenn zwei Ziele sich gegenseitig blockieren. Wer zwischen zwei Möglichkeiten hin- und hergerissen ist, braucht ein Format, das beide Seiten anhört. Die Teilearbeit kennt dafür eigene Formate.

Die positive Absicht ist eine Arbeitshypothese. Sie hilft beim Suchen, eine Tatsache ist sie nicht. Auch die Teile sind ein Bild. Um mit der Frage nach dem Zweck zu arbeiten, muss niemand glauben, dass in ihm ein Anteil sitzt, mit dem er verhandeln kann.

Was die Forschung sagt

Kontrollierte Studien zum Six-Step-Reframing kenne ich nicht. Gefunden habe ich zwei Arbeiten, die sich ausdrücklich mit dem Format befassen. Chun-hung Lam hat 2015 an der University of Hong Kong eine Doktorarbeit (Doctor of Education) vorgelegt. Laut Titel geht es darum, wie Lernende das Six-Step-Reframing erleben und wie es ihre Denkstile beeinflussen könnte. Die Arbeit selbst konnte ich nicht einsehen, nur ihren bibliografischen Eintrag. Die zweite Arbeit hat Syzana Gashi 2024 in der Zeitschrift „Academicus International Scientific Journal" veröffentlicht. Sie hat das Format mit 66 Schülerinnen und Schülern der zehnten Klassenstufe einer berufsbildenden Schule im Englischunterricht eingesetzt und dazu Fragebögen, Unterrichtsbeobachtungen und Interviews genutzt. Im Test nach dem Einsatz schnitt die Gruppe besser ab als im Test davor. Eine Vergleichsgruppe beschreibt die Arbeit nicht, und die neuen Wege aus Schritt 4 waren mehr Diskussionen, Rollenspiele und Präsentationen im Unterricht. Ob die besseren Noten vom Format kommen oder vom geänderten Unterricht, lässt sich so nicht sagen.

Die Vorstellung, mit einem unbewussten Teil über Signale zu verhandeln, ist ein Bild und kein nachgewiesener Vorgang. Was die Forschung über NLP insgesamt sagt, fasse ich im Abschnitt Kritik an NLP: Was die Forschung sagt zusammen.

Brauchbar finde ich am Format zwei Dinge, die sich ohne Studie prüfen lassen. Die Frage nach dem Zweck macht aus einem gescheiterten Vorsatz eine Suche nach Alternativen. Und der Ökologie-Check fragt vor dem ersten Versuch, was gegen die neuen Wege spricht. Ob es bei Ihnen wirkt, sehen Sie daran, was Sie in den zwei Wochen danach tun.

Häufige Fragen

Was ist Six-Step-Reframing?

Six-Step-Reframing ist ein NLP-Format in sechs Schritten für ein Verhalten, das Sie ändern wollen. Sie benennen das Verhalten, nehmen Kontakt zu dem Teil auf, der es steuert, trennen dessen Absicht vom Verhalten, suchen mindestens drei Wege, die diesen Zweck besser erfüllen als das alte Verhalten, holen die Zustimmung ein und prüfen, ob ein anderer Teil Einwände hat.

Wer hat das Six-Step-Reframing entwickelt?

Richard Bandler und John Grinder. Sie haben es 1979 in „Frogs into Princes" veröffentlicht, auf Deutsch „Neue Wege der Kurzzeit-Therapie". Ihr Buch „Reframing" von 1982 behandelt es erneut und stellt weitere Formen des Reframings vor.

Was ist der Unterschied zwischen Six-Step-Reframing und Reframing?

Reframing heißt, einer Aussage oder einem Ereignis einen anderen Rahmen zu geben, damit sich die Bedeutung ändert. Das geht oft mit einem einzigen Satz im Gespräch. Das Six-Step-Reframing ist ein längeres Format für ein eigenes Verhalten und zielt auf das Verhalten selbst. Beispiele für das Reframing im Gespräch finden Sie im Beitrag Reframing-Beispiele aus dem Berufsalltag.

Was passiert, wenn in Schritt 6 ein Einwand kommt?

Dann beginnen Sie mit dem Teil, der den Einwand hat, wieder bei Schritt 2. Sie fragen nach seiner Absicht und suchen Wege, die auch diese erfüllen. Bandler und Grinder lassen die drei ersten Wege dabei meist stehen und bitten den zweiten Teil, eigene Wege zu finden, die ihnen nicht im Weg stehen.

Kann man Six-Step-Reframing allein machen?

Ja, mit den Fragen auf einem Zettel. Zu zweit ist es leichter, weil die andere Person ein Zögern hört, das Sie selbst überhören, und weil Sie die Absicht laut aussprechen müssen. Bei Themen, die Sie stark belasten, ist allein der falsche Rahmen.

Six-Step-Reframing mit Begleitung üben

Die Fragen lernen Sie in einer Übung zu zweit. Schwieriger ist es, die echte Absicht hinter der ersten Antwort zu hören und einen Einwand ernst zu nehmen, wenn Sie lieber fertig wären. Im Coaching für Beruf und Führung arbeiten wir an Verhaltensweisen, die Sie im Job gerade aufhalten. Einen Überblick über die übrigen Formate mit Kurzanleitungen gibt die Liste der NLP-Techniken.

Möchten Sie das auf Ihren Kontext übertragen?

Im Erstgespräch sprechen wir über Ihr konkretes Anliegen und einen sinnvollen nächsten Schritt.