Teilearbeit: das Teilemodell im NLP
Kurzdefinition
Teilearbeit ist im NLP der Sammelbegriff für Formate, die einen inneren Widerspruch als Gespräch zwischen Persönlichkeitsanteilen behandeln. Das Teilemodell dahinter ist ein Bild. Es nimmt die Redewendung vom einen Teil, der will, und vom anderen, der nicht will, beim Wort und fragt beide Seiten nach ihren Interessen.
Ausführlich erklärt
Virginia Satir, eine der Therapeutinnen, deren Arbeit Richard Bandler und John Grinder in den 1970er-Jahren untersuchten, ließ die inneren Anteile eines Menschen wie Figuren auftreten. NLP machte daraus Formate mit festen Schritten.
Drei davon stehen in vielen Ausbildungen:
- Six-Step-Reframing. Ein Teil steuert ein Verhalten, das Sie stört. Sie suchen andere Wege zum selben Zweck.
- Verhandlungsreframing. Zwei Teile behindern sich gegenseitig, etwa Arbeit und Erholung. Sie handeln aus, wann welcher ungestört an der Reihe ist.
- Visual Squash. Zwei gegensätzliche Teile werden in der Vorstellung zu einem zusammengeführt.
Allen gemeinsam sind drei Regeln. Jeder Teil hat eine Absicht, die sich würdigen lässt. Kein Teil wird abgeschafft. Und eine Lösung gilt erst, wenn kein Teil mehr widerspricht, was der Ökologie-Check prüft.
Erkennbar wird ein innerer Widerspruch an Sätzen mit "eigentlich" und "ja, aber" oder daran, dass jemand heute zusagt und morgen zweifelt. NLP nennt das fehlende Kongruenz. Im Gespräch genügt oft eine einfache Form. Sie benennen beide Seiten, fragen jede, was sie sicherstellen will, und suchen dann etwas, dem beide zustimmen können.
Beispiel: Teamleitung annehmen oder nicht
Einer Entwicklerin wird die Leitung ihres Teams angeboten. Seit drei Wochen sagt sie an einem Tag innerlich zu und am nächsten ab. Die Antwort ist am Freitag fällig.
Sie schreibt zwei Spalten auf ein Blatt und gibt beiden Seiten einen Namen. Die eine will gestalten. Sie möchte bei Architekturentscheidungen mitreden und mitbestimmen, wer ins Team kommt. Die andere will bauen. Sie möchte weiter Code schreiben und fürchtet Tage, die nur aus Besprechungen bestehen.
Dann fragt sie jede Seite, was sie sicherstellen will. Bei der ersten ist es Einfluss. Bei der zweiten ist es das Gefühl, etwas zu können und am Abend ein Ergebnis zu sehen. Beides schließt sich nicht aus. Sie fragt ihren Vorgesetzten, ob die Rolle einen festen Entwicklungstag pro Woche und eine Auswertung nach sechs Monaten enthalten kann. Er stimmt zu.
Vielleicht hätte sie diese Frage auch ohne zwei Spalten gestellt. Vorher hatte sie aber drei Wochen lang nur zwischen Ja und Nein gewählt.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Die Teile gibt es nicht als Dinge. Niemand hat einen Kritiker oder einen Antreiber im Kopf sitzen. Das Modell ist eine Redeweise, die einen inneren Konflikt besprechbar macht. Studien, die die Teilearbeit des NLP prüfen, kenne ich nicht. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.
Ähnliche Bilder gibt es in anderen Schulen, etwa das Innere Team bei Friedemann Schulz von Thun. Offenbar leuchtet das Bild vielen ein. Ein Beleg für die NLP-Formate ist das nicht.
Zwei Grenzen sollten Sie kennen:
- Ein Teil ist keine Ausrede. "Das war mein innerer Kritiker" erklärt eine scharfe Mail nicht und entschuldigt sie auch nicht. Verantwortlich bleibt der ganze Mensch.
- Manche Zerrissenheit braucht fachliche Hilfe. Wer innere Anteile als fremd oder bedrohlich erlebt oder seit Monaten in einem Konflikt feststeckt, der ihn krank macht, gehört in psychotherapeutische Behandlung und nicht in ein Seminarformat.
Wer eine anstehende berufliche Entscheidung mit Begleitung sortieren will, kann das im Coaching tun.
Verwandte Begriffe
- Six-Step-Reframing
Das bekannteste Format der Teilearbeit, Schritt für Schritt.
- Kongruenz
Woran Sie bemerken, dass ein Teil von Ihnen nicht zustimmt.
- Ökologie-Check
Die Frage, ob eine Lösung zu allen Seiten und zum Umfeld passt.
- Reframing
Wie die Frage nach dem Zweck eines Verhaltens im Gespräch klingt.