Kongruenz im NLP
Kurzdefinition
Kongruent ist ein Mensch im NLP, wenn seine Worte, seine Stimme und seine Körpersprache dasselbe ausdrücken und er hinter dem steht, was er sagt. Widersprechen sich die Signale, spricht NLP von Inkongruenz.
Ausführlich erklärt
Der Begriff ist älter als NLP. Carl Rogers zählte Kongruenz zu den Bedingungen hilfreicher Gesprächsführung. Er meinte damit, dass ein Therapeut zeigt, was er tatsächlich erlebt, statt eine Rolle zu spielen. Virginia Satir, eine der Therapeutinnen, deren Arbeit Bandler und Grinder in den 1970er-Jahren untersuchten, beschrieb eine kongruente Haltung als Gegenbild zu Mustern wie Beschwichtigen oder Anklagen.
Im NLP hat der Begriff zwei Seiten. Nach außen geht es darum, ob Ihre Signale zusammenpassen. Wer "Das ist eine gute Nachricht" mit flacher Stimme und gesenktem Blick sagt, sendet zwei Botschaften, und das Gegenüber merkt es meist. Nach innen geht es darum, ob Sie mit einer Entscheidung im Reinen sind oder ob ein Teil von Ihnen dagegenhält.
Manche Ausbildungen unterscheiden zwei Formen der Inkongruenz. Bei der gleichzeitigen widersprechen sich die Signale im selben Moment, etwa bei einem Ja, zu dem jemand leicht den Kopf schüttelt. Bei der aufeinanderfolgenden wechselt ein Mensch zwischen zwei Haltungen hin und her, heute entschlossen und morgen voller Zweifel.
Nutzen lässt sich das an zwei Stellen. Bei anderen ist eine Inkongruenz ein Anlass zum Nachfragen. Woran Sie solche Abweichungen bei einer bestimmten Person bemerken, beschreibt der Eintrag zum Kalibrieren. Bei sich selbst ist sie ein Hinweis, dass eine Entscheidung noch nicht zu Ende gedacht ist. Dann lohnt ein Ökologie-Check, bevor Sie die Entscheidung nach außen vertreten.
Beispiel: eine Entscheidung von oben verkünden
Die Geschäftsführung hat entschieden, dass alle Teams wieder drei Tage pro Woche ins Büro kommen. Ein Teamleiter hält das für falsch. Verkünden soll er es seinem Team trotzdem.
In der ersten Fassung liest er die Mail der Geschäftsführung vor und ergänzt, das sei bestimmt gut für den Austausch. Er spricht schneller als sonst und schaut dabei auf seine Notizen. Das Team hört zwei Botschaften. Die eine sagt, die Regel gilt. Die andere sagt, er glaubt selbst nicht daran. In der anschließenden Fragerunde geht es vor allem darum, wie man die Regel umgehen kann.
Kongruent wäre eine Fassung, die seine tatsächliche Lage beschreibt: "Ich hätte anders entschieden und habe das auch gesagt. Die Entscheidung steht trotzdem, und ich setze sie um. Klären wir, welche drei Tage für uns am besten passen." Jeder dieser Sätze stimmt, und deshalb müssen Stimme und Haltung nichts zurücknehmen.
Begeisterung verlangt Kongruenz also nicht. Es reicht, nichts zu sagen, was der eigene Tonfall gleich wieder dementiert.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Dass Menschen widersprüchliche Signale bemerken, ist unstrittig. Wie sie diese deuten, ist eine andere Frage. Die oft zitierte Regel, nur sieben Prozent einer Botschaft kämen über die Worte, geht auf Versuche von Albert Mehrabian aus den 1960er-Jahren zurück. Darin beurteilten Versuchspersonen einzelne Wörter, die mit unpassendem Tonfall gesprochen wurden. Mehrabian selbst hat der Übertragung auf jedes Gespräch widersprochen.
Für die Praxis folgt daraus zweierlei:
- Inkongruenz zeigt einen Widerspruch, aber nicht seinen Grund. Wer zögernd zustimmt, kann müde sein oder in der Sache unsicher. Menschen erkennen Lügen am Verhalten kaum besser als durch Raten, das beschreibt der Eintrag zum Kalibrieren. Ein Zögern ist ein Anlass für eine Frage und kein Beweis.
- Kongruenz lässt sich nicht einstudieren. Wer Körpersprache trainiert, damit eine Aussage überzeugender wirkt, setzt am falschen Ende an. Wer hinter seiner Aussage steht, braucht diese Übung nicht. Wer es nicht tut, ändert besser die Aussage als die Haltung.
Studien, die Kongruenz als NLP-Modell prüfen, sind mir nicht bekannt. Was die Forschung zu NLP insgesamt hergibt, steht im Beitrag zur Kritik an NLP und zur Studienlage.
Verwandte Begriffe
- Kalibrieren
Wie Sie Abweichungen bei einem bestimmten Menschen bemerken, ohne sie zu deuten.
- Ökologie-Check
Fragen für den Moment, in dem Sie bei einer eigenen Entscheidung zögern.
- Pacing und Leading
Warum Anschließen nur mit Aussagen funktioniert, die für den anderen stimmen.
- Rapport
Wie Vertrauen im Gespräch entsteht, ohne Spiegeltechnik.