Satir-Kategorien: vier Muster, wenn ein Gespräch unter Druck gerät
Kurzdefinition
Die Satir-Kategorien sind vier Kommunikationsmuster, die die Familientherapeutin Virginia Satir bei Menschen unter Druck beschrieb: beschwichtigen, anklagen, rationalisieren und ablenken. Im NLP dienen sie dazu, diese Muster im Gespräch zu erkennen, beim Gegenüber und bei sich selbst.
Ausführlich erklärt
Virginia Satir arbeitete mit Familien. Richard Bandler und John Grinder untersuchten ihre Arbeit Mitte der 1970er-Jahre gründlich, sie gehört zu den Vorbildern, aus denen NLP entstand. Satir unterstützte die beiden zunächst. Später ging sie auf Abstand, vor allem zu Bandler.
Satir beobachtete, wie Menschen sprechen und sich halten, wenn ihr Selbstwert unter Druck gerät. Zu jedem Muster gehört eine typische Körperhaltung:
- Beschwichtigen. Die Person stimmt zu, entschuldigt sich und stellt die eigenen Wünsche zurück. Innerlich klingt das wie "Ich mache immer alles falsch". Die Haltung sackt zusammen, die Hände bitten.
- Anklagen. Die Person sucht den Fehler beim anderen. "Du machst nie etwas richtig." Der Körper ist angespannt, oft zeigt ein Finger auf jemanden.
- Rationalisieren. Die Person spricht korrekt, sachlich und ohne erkennbares Gefühl. Sie sitzt steif, ihre Sätze klingen wie aus einem Gutachten.
- Ablenken. Die Person wechselt das Thema, macht einen Witz oder antwortet auf eine Frage, die niemand gestellt hat. Ihre Bewegungen passen nicht zusammen.
Das Gegenstück ist ein Satz, bei dem Worte, Stimme und Haltung zusammenpassen und der sagt, was die Person tatsächlich denkt. NLP nennt das Kongruenz.
Im Training geht es vor allem ums Erkennen. Sie lernen, die Muster am Gegenüber zu kalibrieren und Ihr eigenes zu bemerken, solange das Gespräch noch läuft.
Beispiel: die Runde nach der Terminverschiebung
Angenommen, ein Softwareprojekt verschiebt sich um sechs Wochen. In der Runde danach entschuldigt sich der Projektleiter dreimal, bevor er die Gründe nennt. Die Vertriebsleiterin sagt: "Die IT hält nie einen Termin." Der Controller trägt Abweichungen in Prozent vor. Ein Kollege fragt, ob die Weihnachtsfeier schon geplant sei.
Die Bereichsleiterin, die das Treffen leitet, erkennt alle vier Muster in einer Viertelstunde. Statt die Diskussion laufen zu lassen, fragt sie jeden einzeln: "Was brauchen Sie, damit der neue Termin hält?"
Der Projektleiter nennt eine fehlende Testerin. Der Controller will wöchentliche Zahlen statt monatlicher. Die Vertriebsleiterin bleibt bei ihrem Vorwurf. Zwei brauchbare Antworten aus vier sind mehr, als die Runde vorher hatte.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Studien, die die vier Muster als feste Typen bestätigen, kenne ich nicht. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.
Zwei Dinge sollten Sie im Kopf behalten:
- Die Muster beschreiben Momente, keine Menschen. Wer in einer Sitzung ablenkt, ist deshalb kein Ablenker. Die meisten wechseln je nach Lage und Gegenüber. Ein Etikett macht aus einer Beobachtung ein Urteil, und das Gegenüber spürt das.
- Rationalisieren ist manchmal richtig. Bei einem Störfall oder in einer Budgetrunde hilft der sachliche Ton. Zum Problem wird er, wenn er ein Gefühl verdeckt, das zur Sache gehört, etwa die Sorge, dass ein Projekt scheitert.
Verwandte Begriffe
- Kongruenz
Das Gegenstück zu den vier Mustern, wenn Worte und Haltung zusammenpassen.
- Kalibrieren
Wie Sie im Gespräch bemerken, dass jemand in eines der Muster fällt.
- Konflikte früh klären
Wie Sie ein Gespräch führen, bevor es in Vorwürfe kippt.