Six-Step-Reframing: sechs Schritte zu einer Alternative
Kurzdefinition
Six-Step-Reframing ist ein NLP-Format in sechs Schritten für ein Verhalten, das Sie stört und das Sie trotzdem beibehalten. Es trennt das Verhalten von seinem Zweck und sucht andere Wege, die denselben Zweck erfüllen.
Ausführlich erklärt
Richard Bandler und John Grinder beschrieben das Format in Frogs into Princes (1979) und ausführlicher in dem Buch Reframing. Es beruht auf zwei Annahmen. Die erste gehört zu den Grundannahmen und besagt, dass hinter jedem Verhalten eine positive Absicht steht. Nach der zweiten ist für das Verhalten ein innerer Anteil zuständig, mit dem sich verhandeln lässt. Dieses Bild stammt aus der Teilearbeit.
Die sechs Schritte:
- Verhalten benennen. Was genau tun Sie, obwohl Sie es lassen wollen?
- Kontakt zum Teil aufnehmen. Sie fragen nach innen, ob der Teil, der das Verhalten steuert, zu einem Austausch bereit ist. Als Antwort gilt ein Signal, etwa ein Körpergefühl, ein Bild oder ein Satz.
- Absicht vom Verhalten trennen. Wozu dient das Verhalten? Was stellt es für Sie sicher?
- Alternativen finden. Sie sammeln mindestens drei andere Wege, die denselben Zweck erfüllen.
- Zustimmung einholen. Ist der Teil bereit, die neuen Wege in den nächsten Wochen auszuprobieren?
- Einwände prüfen. Meldet sich etwas dagegen? Wenn ja, geht es zurück zu Schritt vier. Dieser Schritt ist ein Ökologie-Check.
In der ursprünglichen Fassung laufen die Schritte zwei bis fünf über unbewusste Signale. Viele Trainer führen das Format heute als geordnetes Gespräch, und diese Fassung halte ich für die brauchbare.
Vom Reframing im Gespräch unterscheidet es sich durch den Gegenstand. Dort bekommt eine Aussage einen anderen Rahmen. Hier geht es um eine eigene Gewohnheit.
Beispiel: Mails um 23 Uhr
Ein Projektleiter beantwortet jeden Abend bis kurz vor Mitternacht Mails. Er hat sich mehrfach vorgenommen, damit aufzuhören. Inzwischen antwortet auch sein Team nachts.
Auf die Frage nach dem Zweck kommt zuerst "Ich bin eben gewissenhaft". Beim Nachfragen wird es genauer. Er will morgens nicht von etwas überrascht werden. Der Zweck ist also ein kontrollierter Start in den Tag und nicht Fleiß.
Dafür findet er drei andere Wege. Um 17:30 Uhr geht er das Postfach ein letztes Mal durch und notiert die drei offenen Punkte für morgen. Die ersten 20 Minuten des Tages bleiben frei für Mails. Seine Stellvertreterin ruft an, wenn abends etwas wirklich brennt.
Bei der Frage nach Einwänden merkt er, dass ihm beim Gedanken an das stumme Telefon unwohl wird. Ein Kunde sitzt in einer anderen Zeitzone und schreibt oft spät. Dieser Kunde bekommt seine Mobilnummer für Notfälle. Nach zwei Wochen hat er abends noch zweimal ins Postfach geschaut statt jeden Tag.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Studien, die das Six-Step-Reframing prüfen, kenne ich nicht. Die Vorstellung, mit einem unbewussten Teil über Signale zu verhandeln, ist ein Bild und kein nachgewiesener Vorgang. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.
Was dem Projektleiter im Beispiel geholfen hat, war die Frage nach dem Zweck. Ob dabei ein Teil zugestimmt hat, muss niemand wörtlich nehmen. Drei Punkte sollten Sie kennen:
- Ein Körpersignal ist schnell hineingedeutet. Wer auf ein Ja wartet, spürt irgendwann eines. Verlässlicher ist, ob Sie die Alternative in der nächsten Woche tatsächlich nutzen.
- Die positive Absicht ist eine Arbeitshypothese. Sie hilft beim Suchen. Eine Tatsache ist sie nicht, und manches Verhalten ist schlicht eine alte Gewohnheit.
- Das Format ist keine Behandlung. Sucht, Zwänge, Essstörungen und Beschwerden nach belastenden Erlebnissen gehören in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.
Verwandte Begriffe
- Reframing
Einer Aussage im Gespräch einen anderen Rahmen geben, mit Beispielen.
- Teilearbeit
Das Bild der inneren Anteile, auf dem das Format aufbaut.
- Ökologie-Check
Die Prüfung auf Einwände und Nebenwirkungen im sechsten Schritt.
- Grundannahmen des NLP
Woher der Satz von der positiven Absicht kommt und wo er endet.