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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Die Grundannahmen des NLP

Kurzdefinition

Die Grundannahmen, auch Vorannahmen genannt, sind Leitsätze, mit denen NLP-Anwender an Gespräche und Veränderungsarbeit herangehen. NLP behandelt sie als Arbeitshaltung, nach der man handelt, als ob sie stimmten. Bewiesen sind sie nicht.

Ausführlich erklärt

Eine verbindliche Liste gibt es nicht. Jede Schule formuliert die Sätze etwas anders, und ihre Zahl schwankt zwischen einer Handvoll und mehr als einem Dutzend. Diese tauchen fast überall auf:

  • Die Landkarte ist nicht das Gebiet. Der Satz stammt von Alfred Korzybski, der ihn 1933 in Science and Sanity ausführte. Jeder Mensch reagiert demnach auf seine Vorstellung von der Welt und nicht auf die Welt selbst.
  • Die Bedeutung einer Kommunikation liegt in der Reaktion, die sie auslöst. Was Sie gemeint haben, zählt weniger als das, was beim anderen angekommen ist.
  • Hinter jedem Verhalten steht eine positive Absicht. Auch störendes Verhalten erfüllt für den Menschen einen Zweck, etwa Schutz oder Anerkennung. Darauf baut ein Teil des Reframings auf.
  • Es gibt kein Versagen, nur Rückmeldung. Ein Ergebnis, das Sie nicht wollten, zeigt Ihnen, was Sie beim nächsten Mal ändern können.
  • Menschen haben die Ressourcen, die sie für eine Veränderung brauchen. Die Aufgabe ist demnach, diese Ressourcen zugänglich zu machen.
  • Wer die meisten Wahlmöglichkeiten hat, beeinflusst ein System am stärksten. Dahinter steht das Gesetz der erforderlichen Vielfalt, das der Kybernetiker W. Ross Ashby in den 1950er-Jahren formulierte.

Viele dieser Sätze gehen auf die Gründungszeit zurück. Der Anthropologe Gregory Bateson lehrte in den 1970er-Jahren in Santa Cruz, wo auch Richard Bandler und John Grinder arbeiteten, und brachte Ideen aus Kybernetik und Systemtheorie in ihr Umfeld.

Nicht zu verwechseln sind die Grundannahmen mit den Präsuppositionen in der Sprache. So nennen das Meta-Modell und das Milton-Modell die Voraussetzungen, die in einem einzelnen Satz stecken.

Beispiel: die Kollegin, die jede Planung zerpflückt

Ein Teamleiter ärgert sich über eine erfahrene Kollegin, die jede neue Planung im Meeting auseinandernimmt. Sein erster Impuls ist, sie in den Runden seltener zu Wort kommen zu lassen.

Er probiert stattdessen die Annahme aus, dass ihr Verhalten einen Zweck hat, und fragt sie unter vier Augen, was sie an den Plänen stört. Die Antwort ist konkreter als erwartet. Zweimal hat das Team Termine zugesagt, die nicht zu halten waren, und beide Male musste sie die Verschiebung beim Kunden erklären. Ihr Widerspruch soll verhindern, dass das ein drittes Mal passiert.

Ob die Annahme stimmt, war für das Gespräch zweitrangig. Sie hat ihn dazu gebracht, zu fragen, statt zu urteilen. Die Kollegin prüft jetzt die Termine, bevor das Team sie zusagt. Im Meeting ist sie seitdem nicht stiller, aber ihre Einwände kommen früher.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Die Grundannahmen sind keine Forschungsergebnisse und wollen auch keine sein. Die meisten lassen sich gar nicht prüfen. Wie sollte jemand nachweisen, dass hinter jedem Verhalten eine positive Absicht steht? Eine Studie, die zeigt, dass Menschen mit dieser Haltung besser kommunizieren, kenne ich nicht. Mit den überprüfbaren NLP-Behauptungen, etwa zur Blickrichtung, sind die Grundannahmen nicht zu verwechseln. Was Studien zu diesen sagen, steht im Beitrag zur Kritik an NLP.

Als Haltung für ein Gespräch halte ich mehrere der Sätze für brauchbar. Problematisch wird es, wenn man sie als Tatsachen behandelt:

  • Eine positive Absicht entschuldigt nichts. Wer Kollegen herabsetzt oder schikaniert, hat vielleicht ein nachvollziehbares Motiv. Das Verhalten bleibt trotzdem inakzeptabel, und eine Führungskraft muss es abstellen, statt es umzudeuten.
  • Rückmeldung statt Versagen hat Grenzen. Der Satz klingt ermutigend und kann echte Fehler kleinreden. Wenn ein Projekt an einer falschen Entscheidung gescheitert ist, gehört das benannt.
  • Nicht jeder hat schon alles, was er braucht. Wer überlastet ist, braucht Entlastung, und wer krank ist, braucht Behandlung. Sonst schiebt der Satz die Verantwortung einseitig auf den Einzelnen.

Auch der Satz über die Bedeutung der Kommunikation hat eine Kehrseite. Er macht den Sprecher für jedes Missverständnis verantwortlich. Für die eigene Klarheit ist das ein guter Maßstab. Als Vorwurf an andere taugt er nicht.

Verwandte Begriffe

  • Reframing

    Wie die Frage nach dem Zweck eines Verhaltens im Gespräch aussieht.

  • Milton-Modell

    Wo Präsuppositionen als Sprachmuster vorkommen und wo das heikel wird.

  • Modelling

    Die Methode, aus der NLP und viele seiner Leitsätze hervorgingen.

  • NLP und Coaching

    Wie NLP-Modelle als Werkzeug im Coaching vorkommen.

Grundannahmen des NLP (Vorannahmen) im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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