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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Präsupposition: was ein Satz voraussetzt

Kurzdefinition

Eine Präsupposition, im NLP auch Vorannahme genannt, ist das, was ein Satz stillschweigend voraussetzt. "Wann begreift die Geschäftsführung endlich, dass wir mehr Leute brauchen?" setzt voraus, dass sie es bisher nicht begriffen hat.

Ausführlich erklärt

Im NLP taucht die Präsupposition an zwei Stellen auf. Das Meta-Modell führt sie als Vorannahme bei den Mustern der Verzerrung und fragt, worauf sie sich stützt. Das Milton-Modell setzt sie mit Absicht ein, damit der Zuhörer die Voraussetzung übernimmt, ohne sie zu prüfen.

Eine Probe hilft beim Erkennen. Was ein Satz voraussetzt, bleibt auch in seiner Verneinung stehen. "Mir ist der Fehler im Bericht aufgefallen" und "Mir ist der Fehler im Bericht nicht aufgefallen" setzen beide voraus, dass es einen Fehler gibt.

Häufige Auslöser im Berufsalltag:

  • Wörter für Zeit und Wiederholung. "Bevor wir über die Umsetzung sprechen" setzt voraus, dass umgesetzt wird. "Hat die IT schon wieder die Zugänge geändert?" setzt voraus, dass sie es schon einmal getan hat.
  • Wörter wie endlich oder immer noch. "Ist der Vertrag endlich unterschrieben?" setzt voraus, dass jemand lange darauf gewartet hat.
  • Warum-Fragen. "Warum ist der Launch schiefgegangen?" setzt voraus, dass er schiefgegangen ist.
  • Eine Auswahl ohne die Möglichkeit, abzulehnen. "Starten wir im März oder im April?" setzt voraus, dass gestartet wird.

Die Frage des Meta-Modells lautet "Woraus schließen Sie das?", genauer "Woraus schließen Sie, dass …?" mit der Voraussetzung im Nebensatz.

Mit den Grundannahmen des NLP hat das Sprachmuster nur den Namen gemeinsam. Die Grundannahmen heißen in manchen Schulen ebenfalls Vorannahmen, sind aber Leitsätze für die Haltung im Gespräch.

Beispiel: eine Frage im Jahresgespräch

Angenommen, ein Abteilungsleiter fragt im Jahresgespräch: "Was hat Sie dieses Jahr davon abgehalten, mehr Verantwortung zu übernehmen?" Die Mitarbeiterin erklärt, dass zwei Kollegen in Elternzeit waren und sie deren Kunden mitbetreut hat. Sie verteidigt sich, und keiner von beiden merkt es.

Die Frage setzt zweierlei voraus. Sie habe zu wenig Verantwortung übernommen, und etwas habe sie davon abgehalten. Über den ersten Punkt spricht danach niemand mehr, weil er mit der Frage schon erledigt ist.

Eine Rückfrage hätte ihn auf den Tisch geholt: "Woraus schließen Sie, dass ich zu wenig Verantwortung übernommen habe?" Vielleicht hätte er das Projekt im Frühjahr genannt, das sie abgegeben hat. Darüber hätten beide reden können.

Er hätte auch anders fragen können: "Wie sehen Sie Ihre Rolle in diesem Jahr?" Diese Frage setzt kaum etwas voraus.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Als Erscheinung der Sprache ist die Präsupposition unstrittig. Dass sie im Milton-Modell Zuhörer zuverlässig lenkt, ist dagegen nicht belegt, und Studien, die das für NLP prüfen, kenne ich nicht. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.

Drei Punkte gehören dazu:

  • Jeder Satz setzt etwas voraus. Wer jede Vorannahme hinterfragt, kommt nie zum Thema. Nachfragen lohnt dort, wo in der Voraussetzung ein Vorwurf oder eine Entscheidung steckt.
  • Mit Absicht eingesetzt, umgeht sie die Prüfung. Die Alternativfrage im Verkauf nimmt die Kaufentscheidung vorweg und setzt darauf, dass niemand sie bemerkt. Der Eintrag zum Milton-Modell geht auf diese ethische Frage ein.
  • Die Rückfrage klingt schnell spitzfindig. "Woraus schließen Sie das?" wirkt in einem gereizten Gespräch wie ein Gegenangriff. Ein Satz davor, der zeigt, dass Sie das Anliegen verstanden haben, hilft mehr als die genaue Formulierung.

Verwandte Begriffe

  • Meta-Modell

    Die Vorannahme als eines von dreizehn Mustern, mit Beispielsatz und Frage.

  • Milton-Modell

    Wie Präsuppositionen in vager Sprache wirken sollen und wo das heikel wird.

  • Grundannahmen des NLP

    Die Leitsätze, die manche Schulen ebenfalls Vorannahmen nennen.

Präsupposition (Vorannahme) im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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