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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Modelling im NLP

Kurzdefinition

Modelling heißt im NLP, genau zu beobachten und zu erfragen, wie ein Mensch etwas besonders gut macht, und daraus eine Beschreibung zu gewinnen, die andere ausprobieren können. Viele NLP-Techniken sind auf diesem Weg entstanden.

Ausführlich erklärt

NLP versteht sich selbst als Ergebnis von Modelling. Richard Bandler und John Grinder untersuchten in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre, wie drei Therapeuten arbeiteten: Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie, die Familientherapeutin Virginia Satir und der Psychiater Milton H. Erickson. Aus der Arbeit von Perls und Satir entstand das Meta-Modell, aus der Arbeit von Erickson das Milton-Modell. Beide Modelle beschrieben sie 1975 in eigenen Büchern, The Structure of Magic und Patterns of the Hypnotic Techniques of Milton H. Erickson.

Gemeint ist mehr als Abschauen. Was ein Könner tut, sehen Sie von außen. Worauf er dabei achtet und woran er eine Entscheidung festmacht, sieht niemand. Diesen unsichtbaren Teil will Modelling erfassen. NLP-Ausbildungen nennen die Abfolge solcher inneren Schritte eine Strategie. Im Master-Practitioner gehört Modelling zum Pflichtstoff.

Ein typischer Ablauf sieht so aus:

  1. Fähigkeit eingrenzen. "Gut verhandeln" ist zu groß. "Einen Preisnachlass ablehnen, ohne dass das Gespräch kippt" lässt sich beobachten.
  2. Beobachten. Sehen Sie dem Menschen in echten Situationen zu, am besten mehrmals. Notieren Sie, was er tut und sagt, bevor Sie es deuten.
  3. Nachfragen. Woran merken Sie, dass der nächste Schritt dran ist? Was sagen Sie sich in diesem Moment? Was tun Sie, wenn es nicht klappt? Viele Könner antworten zuerst mit Allgemeinplätzen wie "Das hat man im Gefühl". Dann lohnt es sich, so lange nachzuhaken, bis eine beobachtbare Antwort kommt.
  4. Selbst ausprobieren. Sie wenden die Beschreibung an und vergleichen Ihr Ergebnis mit dem des Vorbilds.
  5. Weglassen. Lassen Sie einzelne Elemente weg und prüfen Sie, ob das Ergebnis gleich bleibt. Was ohne Folgen wegfallen kann, gehört nicht zum Kern.

Beispiel: wie eine Kollegin Eskalationen auffängt

Ein Teamleiter im Kundenservice bemerkt, dass eine Mitarbeiterin aufgebrachte Großkunden fast immer beruhigt bekommt. Neue Kollegen gehen in denselben Telefonaten unter. Einen Gesprächsleitfaden gibt es, er hilft aber kaum.

Mit Zustimmung aller Beteiligten hört er bei einigen Gesprächen mit und fragt danach nach. Zwei Dinge fallen ihm auf. Sie fasst in einem Satz zusammen, was für den Kunden auf dem Spiel steht, etwa ein stehendes Band in der Produktion. Danach nennt sie den nächsten Schritt mit Uhrzeit, bevor sie irgendeine Lösung verspricht.

Aufschlussreicher ist ihre Antwort auf die Frage, wann sie mit der Zusammenfassung beginnt. Sie muss lange überlegen und sagt dann: "Wenn er anfängt, sich zu wiederholen. Vorher hört er mir nicht zu." Das stand in keinem Leitfaden.

Zwei neue Kollegen probieren die Abfolge zwei Wochen lang aus. Einer kommt gut damit zurecht. Der andere nennt zwar Uhrzeiten, kennt die Abläufe im Haus aber noch nicht gut genug, um sie einzuhalten. Daran ändert auch die genaueste Beschreibung nichts.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Ob Modelling als Lernmethode mehr bringt als andere Formen, von Erfahrenen zu lernen, ist meines Wissens nicht in kontrollierten Studien geprüft. Die Geschichten aus der Gründungszeit stammen von den Beteiligten selbst. Dass die daraus abgeleiteten Techniken so wirken wie bei den Vorbildern, hat die Forschung nicht bestätigt. Was zur Studienlage bei NLP insgesamt bekannt ist, steht im Beitrag zur Kritik an NLP.

Die Grundidee gibt es auch außerhalb von NLP. Die Arbeitspsychologie kennt die kognitive Aufgabenanalyse, mit der Fachleute das Erfahrungswissen von Experten erfragen, zum Beispiel mit den Interviewverfahren von Gary Klein. Diese Methoden sind besser dokumentiert als das NLP-Modelling. Ein Beleg für NLP sind sie nicht.

Zwei Grenzen sollten Sie kennen:

  • Modelling ersetzt keine Erfahrung. Die Expertiseforschung, bekannt geworden vor allem durch K. Anders Ericsson, beschreibt Spitzenleistung als Ergebnis langer, gezielter Übung. Eine gute Beschreibung zeigt Ihnen, worauf Sie achten sollten. Das Üben nimmt sie Ihnen nicht ab.
  • Könner erklären sich selbst oft falsch. Wer etwas sehr gut kann, macht vieles automatisch und begründet es im Nachhinein mit dem, was plausibel klingt. Deshalb zählt der eigene Versuch in Schritt vier mehr als das Interview.

Verwandte Begriffe

  • Milton-Modell

    Das Sprachmodell, das aus der Beobachtung von Milton H. Erickson entstand.

  • Meta-Modell

    Die Klärungsfragen, die beim Nachfragen im Interview weiterhelfen.

  • Metaprogramme

    Muster, nach denen Menschen Informationen auswählen, ebenfalls Stoff im Master.

  • Practitioner oder Master

    Was die zweite Ausbildungsstufe außer Modelling noch enthält.

Modelling im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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