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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Was komplexe Äquivalenz im NLP bedeutet

Kurzdefinition

Komplexe Äquivalenz heißt im Meta-Modell des NLP, dass jemand ein beobachtbares Verhalten mit einer Bedeutung gleichsetzt, etwa: "Er lächelt mich nie an, er schätzt mich nicht." Das Verhalten lässt sich sehen. Die Bedeutung ist eine Deutung.

Ausführlich erklärt

Richard Bandler und John Grinder beschreiben das Muster 1975 in The Structure of Magic, dem Buch zum Meta-Modell, als komplexe Form der Generalisierung. Ihr Beispiel ist eine Klientin, die sagt, ihr Mann schätze sie nie, eine Pause macht und hinzufügt, er lächle sie nie an. Für sie bedeuten beide Sätze dasselbe. Im zweiten Band von 1976 steht dann der Name "complex equivalence", dort mit dem Beispiel "Er ignoriert mich" und "Er hat mich kein einziges Mal angesehen".

"Komplex" heißt hier, dass zwei ganze Aussagen gleichgesetzt werden. Kompliziert muss das nicht sein. Die NLP Academy führt das Muster in ihrer Übersicht zum Meta-Modell bei den Verzerrungen, und auch dieses Lexikon ordnet es der Verzerrung zu.

Zu erkennen ist es an der Form "A bedeutet B". Die Verbindung ist oft ein "also" oder "das heißt", manchmal nur eine Pause:

  • "Er hat keinen Kommentar zu meinem Entwurf geschrieben. Der Entwurf taugt nichts."
  • "Sie hat mir nicht zum Abschluss gratuliert, sie ist neidisch."
  • "Das Team bleibt abends nicht länger, also ist ihm das Projekt egal."

Zwei benachbarte Muster lassen sich so abgrenzen. Beim Gedankenlesen steht nur die Deutung im Satz: "Mein Chef hält mich für unfähig." Die komplexe Äquivalenz liefert das Verhalten dazu, auf das sich die Deutung stützt. Bei Ursache-Wirkung löst A angeblich B aus: "Sein Ton macht mich wütend." Bei der komplexen Äquivalenz ist A angeblich B.

Die Fragen dazu

Bandler und Grinder gehen in zwei Schritten vor. Zuerst fragen sie, ob die Gleichung immer gilt: "Bedeutet es immer, dass er Sie nicht schätzt, wenn er Sie nicht anlächelt?" Bestätigt die Klientin das, drehen sie die Rollen um: "Bedeutet es immer, dass Sie ihn nicht schätzen, wenn Sie ihn nicht anlächeln?" Verneint sie, folgt die Frage, worin der Unterschied liegt.

Kürzer ist die Frage aus dem Abschnitt zur Verzerrung im Beitrag zum Meta-Modell: "Wie hängt das eine mit dem anderen zusammen?" Wer danach eine zweite Deutung sucht, ist beim Bedeutungsreframing. Für Überzeugungen dieser Form sammelt Sleight of Mouth weitere Muster. Was ein Signal bei einem bestimmten Menschen tatsächlich anzeigt, klärt das Kalibrieren.

Beispiel: die Kamera im Videocall

Angenommen, ein Abteilungsleiter sagt im Coaching: "In den Videocalls lassen vier Leute die Kamera aus. Die sind nicht bei der Sache."

Der Coach fragt: "Bedeutet Kamera aus immer, dass jemand nicht bei der Sache ist?" Bei seinen Leuten schon, meint er. Also dreht der Coach die Rollen um: "Wenn Sie selbst die Kamera auslassen, sind Sie dann nicht bei der Sache?" Der Abteilungsleiter lacht. Das sei etwas anderes, er sitze dann oft im Zug. "Was ist der Unterschied?"

In der nächsten Woche fragt er die vier. Zwei nennen eine schwache Leitung, eine Kollegin das Großraumbüro. Einer gibt zu, dass er nebenbei Mails beantwortet. Für einen von vieren stimmte die Gleichung also, für drei nicht.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Eine Studie, die diese Fragefolge prüft, kenne ich nicht. Bandler und Grinder schreiben, die Klientin akzeptiere die umgedrehte Gleichung selten. Das ist ihre eigene Erfahrung und keine Messung. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.

  • Manche Gleichungen stimmen oft. Wer auf drei Mahnungen nicht reagiert, will oder kann vermutlich nicht zahlen. Die Frage prüft, wie sicher der Schluss ist. Falsch ist er deshalb noch nicht.
  • Der Rollentausch kann wie ein Vorwurf klingen. Mitten im Streit hört sich "Und wenn Sie das tun?" schnell nach "Sie doch auch" an. Er passt eher ins Coaching oder in ein ruhiges Gespräch unter vier Augen.
  • Die Frage ersetzt nicht das Gespräch mit dem Betroffenen. Was das fehlende Lächeln oder die Kamera bedeutet, weiß am Ende nur er selbst.

Verwandte Begriffe

  • Verzerrung

    Die Gruppe im Meta-Modell, zu der die komplexe Äquivalenz hier zählt.

  • Bedeutungsreframing

    Eine zweite Deutung finden, nachdem die erste geprüft ist.

  • Sleight of Mouth

    Muster für Überzeugungen der Form A bedeutet B.

  • Kalibrieren

    Signale bei einem bestimmten Menschen lernen, statt sie nach Liste zu deuten.

Komplexe Äquivalenz im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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