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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Bedeutungsreframing: eine zweite Deutung finden

Kurzdefinition

Bedeutungsreframing gibt einem Ereignis oder Verhalten eine zweite Deutung, die ebenso plausibel ist wie die erste. Das Ereignis bleibt, wie es war. Es ändert sich, was Sie daraus schließen und wie Sie darauf reagieren.

Ausführlich erklärt

Das Bedeutungsreframing ist eine der beiden Formen des Reframings. Die andere ist das Kontextreframing. Richard Bandler und John Grinder behandeln beide in ihrem Buch Reframing von 1982, in einem Kapitel mit dem Titel "Content Reframing: Meaning and Context".

Die Form passt zu Sätzen nach dem Muster "X passiert, also heißt das Y". Das Reframing lässt X stehen und fragt nach einem anderen Y. Zwei Leitfragen genügen meist: "Was könnte das noch bedeuten?" und "Welche zweite Erklärung ist genauso plausibel?"

Für einen eigenen Satz reichen drei Schritte:

  1. Ereignis und Deutung trennen. Schreiben Sie den Satz wörtlich auf und markieren Sie, was jemand hätte filmen können. Der Rest ist Deutung.
  2. Zwei andere Deutungen notieren. Auch wenn die erste holprig klingt.
  3. Eine prüfen. Wählen Sie die Deutung, die sich in den nächsten Tagen überprüfen lässt, und legen Sie fest, woran.

Mit positivem Denken hat das wenig zu tun. Die zweite Deutung muss nicht angenehmer sein als die erste. Sie muss stimmen können und zu einer anderen Handlung führen. Weitere Sätze aus dem Berufsalltag stehen im Abschnitt zum Bedeutungsreframing des Beitrags.

Das Meta-Modell kennt den Ausgangssatz als komplexe Äquivalenz, ein Muster der Verzerrung. Dessen Frage "Woran merken Sie das?" prüft die erste Deutung. Das Bedeutungsreframing sucht danach eine zweite.

Beispiel: die Kollegin, die mittags nicht mitkommt

Eine neue Kollegin ist seit sechs Wochen im Team. Mittags bleibt sie am Schreibtisch, während die anderen in die Kantine gehen. Ein Teammitglied sagt: "Die hält sich für etwas Besseres."

Der Teamleiter trennt das Ereignis von der Deutung. Sie isst am Platz, mehr hat niemand gesehen. Dann fragt er in die Runde, was das noch bedeuten könnte. Es kommen drei Vorschläge. Sie arbeitet 30 Stunden und holt mittags auf, wofür die anderen den Nachmittag haben. Sie kennt noch niemanden gut genug, um sich dazuzusetzen. Oder es hat sie niemand gefragt, weil alle annahmen, sie wolle nicht.

Die dritte Deutung lässt sich am schnellsten prüfen. Am nächsten Tag fragt eine Kollegin, ob sie mitkommt. Sie kommt mit. Donnerstags gehe es nicht, sagt sie, da hole sie um drei ihre Tochter ab und arbeite durch.

Welche Deutung stimmt, wusste vorher niemand. Mit der ersten hätte weiter keiner gefragt.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Studien, die das Bedeutungsreframing als eigenes Format prüfen, kenne ich nicht. Eine Erfindung des NLP ist das Umdeuten auch nicht. Paul Watzlawick, John Weakland und Richard Fisch widmeten ihm 1974 in ihrem Buch Change ein eigenes Kapitel. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.

Drei Grenzen sollten Sie kennen:

  • Eine Umdeutung ist eine Hypothese. Sie kann falsch sein. Wer sie nicht prüft, tauscht eine ungeprüfte Annahme gegen eine andere.
  • Manches ist so gemeint, wie es aussieht. Wer vor dem Team angeschrien wird, braucht eine Grenze und ein Gespräch. Eine freundlichere Deutung zögert beides hinaus.
  • Ungefragt klingt es nach Belehrung. "Vielleicht meint er es gar nicht so" hört jemand, der sich gerade ärgert, als Vorwurf.

Mehr dazu steht im Abschnitt Wann Reframing nicht hilft.

Verwandte Begriffe

  • Reframing

    Beide Formen im Vergleich, mit Leitfragen, Tabelle und Beispieldialog.

  • Kontextreframing

    Die zweite Form, die nach der passenden Situation für ein Verhalten fragt.

  • Verzerrung

    Die Sprachmuster, in denen eine Deutung wie eine Tatsache klingt.

  • Sleight of Mouth

    Eine Sammlung von Umdeutungsmustern für festgefahrene Überzeugungen.

Bedeutungsreframing im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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