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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Kontextreframing: wo ein Verhalten passt

Kurzdefinition

Kontextreframing sucht für ein Verhalten, das stört, die Situation, in der genau dieses Verhalten nützlich ist. Das Verhalten bleibt dasselbe. Es ändert sich der Ort, an dem es bewertet wird.

Ausführlich erklärt

Das Kontextreframing ist eine der beiden Formen des Reframings. Die andere ist das Bedeutungsreframing. Dahinter steht eine der Grundannahmen des NLP, nach der jedes Verhalten für den Menschen einen Zweck erfüllt.

Die Form passt zu Sätzen, die eine Eigenschaft bewerten, etwa "Ich bin zu …" oder "Sie ist immer so …". Das "zu" gilt fast nie überall. Zwei Leitfragen helfen beim Suchen: "Wo wäre genau das nützlich?" und "Bei welcher Aufgabe wird es gebraucht?"

Welche der beiden Formen passt, zeigt der Ausgangssatz. Deutet er ein Ereignis, etwa "Sie antwortet nicht, also ist sie verärgert", ist es ein Fall für das Bedeutungsreframing. Bewertet er eine Eigenschaft, hilft die Frage nach dem Kontext.

Brauchbar ist das Kontextreframing an zwei Stellen. Bei sich selbst entschärft es einen Vorwurf, den Sie sich seit Jahren machen. In der Führung lenkt es den Blick von der Person auf die Aufgabe, denn oft lässt sich ein Verhalten dorthin verlegen, wo es gebraucht wird.

Ehrlich ist es nur mit beiden Hälften. Ein Satz, der allein die nützliche Seite nennt, redet schön. Weitere Sätze stehen im Abschnitt zum Kontextreframing des Beitrags.

Beispiel: ein Kollege, der sich überall einmischt

Ein Sachbearbeiter im Einkauf weiß über alles Bescheid, was in den Nachbarabteilungen läuft. Er fragt im Lager nach, kommentiert Entscheidungen des Vertriebs und schreibt der Buchhaltung, was er anders machen würde. Seine Teamleiterin sagt: "Er mischt sich überall ein."

Sie stellt sich die Kontextfrage. Wo wäre genau das nützlich? Im Frühjahr führt das Unternehmen ein neues Warenwirtschaftssystem ein. Dafür braucht es jemanden, der weiß, wer in welcher Abteilung welche Daten pflegt, und der sich traut nachzufragen. Sie schlägt ihn als Ansprechpartner des Einkaufs für die Einführung vor.

Die andere Hälfte sagt sie ihm auch. In den Besprechungen des Vertriebs stört sein Kommentieren weiterhin. Hinweise an andere Abteilungen gehen künftig über die Projektrunde und nicht mehr per Mail an einzelne Kollegen.

Er bleibt, wie er ist. Im Projekt findet er nach drei Monaten zwei Lieferantenlisten, die doppelt gepflegt wurden.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Studien, die das Kontextreframing als eigenes Format prüfen, kenne ich nicht. Auch die Grundannahme dahinter lässt sich nicht prüfen. Dass jedes Verhalten einen Zweck erfüllt, ist ein Leitsatz, der beim Suchen hilft, und keine Tatsache. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.

Drei Grenzen sollten Sie kennen:

  • Nicht jedes Verhalten hat einen passenden Ort. Wer Kollegen herabsetzt, braucht eine klare Rückmeldung und keine andere Aufgabe.
  • Der passende Kontext muss erreichbar sein. "Im Lektorat wärst du mit deiner Genauigkeit richtig" hilft einer Vertriebsmitarbeiterin wenig, wenn sie im Vertrieb bleibt.
  • Als Trost verfehlt es sein Ziel. Wer gerade Kritik bekommen hat, hört in "Dafür bist du gründlich" vor allem, dass die Kritik nicht ernst genommen wird.

Mehr dazu steht im Abschnitt Wann Reframing nicht hilft.

Verwandte Begriffe

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