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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Augenzugangshinweise: was die Blickrichtung verraten soll

Kurzdefinition

Augenzugangshinweise sind im NLP die Blickrichtungen, an denen sich ablesen lassen soll, ob ein Mensch gerade in Bildern, Klängen oder Gefühlen denkt. Auf Englisch heißen sie Eye Accessing Cues. Studien haben das Schema nicht bestätigt, und zum Erkennen von Lügen taugt es nicht.

Ausführlich erklärt

Richard Bandler und John Grinder stellten das Schema in Frogs into Princes (1979) vor. Sie hatten beobachtet, dass Menschen beim Nachdenken die Augen bewegen, und ordneten jeder Richtung eine Art des Denkens zu. Das Schema gehört zum Modell der Repräsentationssysteme.

So wird es bis heute gelehrt, jeweils aus Sicht der Person, die nachdenkt:

  • Oben links. Ein erinnertes Bild, etwa die Farbe der eigenen Haustür.
  • Oben rechts. Ein konstruiertes Bild, etwa dieselbe Haustür in Lila.
  • Seitlich links. Ein erinnerter Klang, zum Beispiel die Stimme einer Kollegin.
  • Seitlich rechts. Ein konstruierter Klang, etwa dieselbe Stimme, nur viel tiefer.
  • Unten links. Ein inneres Selbstgespräch.
  • Unten rechts. Ein Körpergefühl.

In der Ausbildung stellt eine Person Fragen wie "Welche Farbe hat Ihre Haustür?", und eine zweite notiert, wohin die Augen gehen. In der Arbeit mit Strategien dient der Blick als Hinweis darauf, in welcher Reihenfolge jemand sieht, hört und fühlt.

Aus "oben rechts heißt konstruiert" haben Ratgeber die Regel "oben rechts heißt gelogen" gemacht. Der Schluss wäre selbst dann falsch, wenn das Schema stimmte. Wer sich ein Bild baut, erfindet nicht zwangsläufig etwas. Vielleicht überlegt er, wie der Bericht nächste Woche aussehen soll.

Beispiel: ein Blick nach rechts oben im Bewerbungsgespräch

Ein Abteilungsleiter hat in einem Seminar das Schema gelernt. Im Bewerbungsgespräch fragt er eine Kandidatin, warum sie ihre letzte Stelle verlassen hat. Sie schaut kurz nach rechts oben, bevor sie antwortet. Er notiert: "Antwort wirkt konstruiert."

Nach dem Gespräch geht er seine Notizen mit einer Kollegin aus der Personalabteilung durch. Sie fragt, was die Kandidatin gesagt hat. Er weiß es nur noch ungefähr, weil er auf die Augen geachtet hat. Der Kollegin fällt noch etwas auf. Hinter seinem Platz hängt rechts oben die Wanduhr, und das Gespräch hatte zehn Minuten überzogen.

Im zweiten Gespräch lässt er das Schema weg und fragt nach: "Was genau hat an der alten Stelle nicht mehr gepasst?" Die Kandidatin erzählt, dass ihr Team nach einer Umstrukturierung aufgelöst wurde, und nennt eine frühere Vorgesetzte als Referenz. Diese Auskunft kann er prüfen. Der Blick hatte ihm nichts gesagt.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Richard Wiseman und Kollegen prüften die Lügen-Regel 2012 in drei Studien, erschienen in der Zeitschrift PLOS ONE. In der ersten werteten sie die Augenbewegungen von Versuchspersonen aus, die logen oder die Wahrheit sagten. Die Bewegungen passten nicht zum NLP-Schema. In der zweiten bekam eine Gruppe die Regel erklärt und eine Kontrollgruppe nicht. Beim anschließenden Test im Erkennen von Lügen unterschieden sich die beiden Gruppen nicht signifikant. Die dritte wertete die Augenbewegungen von Menschen aus, die auf Pressekonferenzen logen oder die Wahrheit sagten. Auch dort fand sich kein signifikanter Unterschied. Die Autoren schreiben, die drei Studien stützten die Behauptung nicht.

Für die ursprüngliche Annahme, die Blickrichtung zeige den Sinneskanal, fanden Übersichtsarbeiten der 1980er-Jahre keine verlässliche Bestätigung. Ich nenne sie beim Eintrag Repräsentationssysteme.

Dass Menschen beim Nachdenken die Augen bewegen, sehen Sie in jedem Gespräch. Eine Bedeutung nach Tabelle folgt daraus nicht. Für den Beruf heißt das:

  • In Bewerbungsgespräch und Verhandlung hat das Schema nichts verloren. Wer danach urteilt, rät und hält das Ergebnis für Menschenkenntnis. Die Folgen trägt die andere Person.
  • Auf die Augen zu achten kostet Aufmerksamkeit. Sie fehlt beim Zuhören, und dort steckt die Information.

Wer wissen will, ob eine Antwort stimmt, fragt nach und prüft, was sich prüfen lässt. Beim Kalibrieren geht es um etwas anderes. Dort vergleichen Sie einen Menschen mit seinem eigenen Normalzustand und nehmen eine Abweichung als Anlass für eine Frage.

Verwandte Begriffe

  • Repräsentationssysteme

    Das Modell der Sinneskanäle, zu dem die Blickrichtungen gehören.

  • Kalibrieren

    Einen Menschen mit sich selbst vergleichen statt mit einer Tabelle.

  • Strategien

    Wofür NLP die Blickrichtung ursprünglich nutzen wollte.

  • NLP im Beruf

    Welche Techniken im Arbeitsalltag taugen und welche nicht.

Augenzugangshinweise im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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