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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Tilgung im Meta-Modell des NLP

Kurzdefinition

Tilgung heißt im Meta-Modell des NLP, dass ein Satz etwas weglässt, das der Zuhörer zum Verstehen braucht, etwa wer gemeint ist, womit verglichen wird oder wie etwas geschieht. Zu jeder Tilgung gehört eine Frage, die das Fehlende zurückholt.

Ausführlich erklärt

Die Tilgung ist eine der drei Gruppen, in die das Meta-Modell seine Sprachmuster ordnet. Die beiden anderen sind die Generalisierung und die Verzerrung. Richard Bandler und John Grinder beschrieben das Modell 1975 in The Structure of Magic.

Getilgt wird in jedem Satz. Wer alles ausspräche, käme nie zum Ende. Zum Problem wird die Lücke erst, wenn der Zuhörer sie mit einer eigenen Annahme füllt und beide glauben, sie hätten dasselbe verstanden.

Vier Muster gehören zur Tilgung. Die Einteilung ist dieselbe wie in der Übersicht aller dreizehn Muster im Beitrag zum Meta-Modell.

  • Einfache Tilgung. Ein Teil der Aussage fehlt ganz.
  • Fehlender Vergleich, auch Vergleichstilgung genannt. Der Satz steigert, nennt aber keinen Maßstab.
  • Unspezifisches Verb. Das Verb sagt, dass etwas geschieht, aber nicht wie.
  • Unspezifisches Nomen, auch unspezifisches Substantiv oder fehlender Referenzindex. Offen bleibt, wer oder was gemeint ist.

Drei typische Sätze und die Frage, die sie öffnet:

  • "Das Angebot ist zu teuer." Die Frage: "Zu teuer verglichen womit?"
  • "Die IT hat uns hängen lassen." Die Frage: "Was genau hat sie getan oder unterlassen?"
  • "Die da oben haben das so entschieden." Die Frage: "Wer genau hat es entschieden?"

Weitere Sätze zu jedem Muster stehen im Abschnitt zur Tilgung. Mit Absicht eingesetzt wird die Tilgung im Milton-Modell, das dieselben Lücken offen lässt, damit der Zuhörer sie selbst füllt.

Beispiel: ein Auftrag in einem Satz

Eine Abteilungsleiterin schreibt am Donnerstag an einen Mitarbeiter: "Die Präsentation muss bis Montag besser werden." Er sitzt das Wochenende über den Folien, tauscht Grafiken aus und kürzt Texte. Am Montag ist sie unzufrieden. Sie hatte die Zahlen im Anhang gemeint, die nicht zum Quartalsbericht passten.

Der Satz enthält zwei Tilgungen. "Besser" hat keinen Maßstab, und "die Präsentation" lässt offen, welcher Teil gemeint ist. Zwei Rückfragen am Donnerstag hätten gereicht: "Besser in welcher Hinsicht?" und "Welche Folien meinen Sie?"

Er hat nicht nachgefragt, weil der Auftrag klar klang. Ein getilgter Satz wirkt vollständig, solange man die Lücke selbst füllt, und genau deshalb fällt sie nicht auf.

Seitdem fragt er bei Aufträgen mit "besser", "schneller" oder "mehr" nach einer Sache, an der sich das Ergebnis messen lässt. Das kostet ihn eine Minute.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Studien, die prüfen, ob das Fragen nach Tilgungen mehr bringt als aufmerksames Nachfragen ohne Modell, kenne ich nicht. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.

Drei Grenzen sollten Sie kennen:

  • Nicht jede Lücke braucht eine Frage. Wer auf "Das Essen war gut" mit "Gut verglichen womit?" antwortet, hat das Modell verstanden und das Gespräch verloren. Fragen lohnen dort, wo an der fehlenden Angabe eine Entscheidung oder eine Vereinbarung hängt.
  • Mehrere Fragen hintereinander wirken wie ein Verhör. Stellen Sie eine und warten Sie die Antwort ab. Wie Sie die Frage einleiten, steht im Abschnitt Nachfragen, ohne dass es nach Verhör klingt.
  • Die Zuordnung ist nicht einheitlich. In manchen Ausbildungen zählt auch die Nominalisierung zur Tilgung. Ich führe sie bei der Verzerrung. Für das Gespräch ist das unerheblich.

Verwandte Begriffe

  • Meta-Modell

    Alle dreizehn Muster mit Beispielsatz und Frage, dazu ein Beispieldialog.

  • Generalisierung

    Die zweite Gruppe des Meta-Modells, Sätze mit immer, nie und muss.

  • Verzerrung

    Die dritte Gruppe, Deutungen, die wie Tatsachen klingen.

  • Milton-Modell

    Das Gegenstück, das dieselben Lücken mit Absicht offen lässt.

Tilgung im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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