Nominalisierung im Meta-Modell des NLP
Kurzdefinition
Eine Nominalisierung macht aus einem Vorgang ein Hauptwort. Aus "wir streiten" wird "der Konflikt", aus "ich entscheide" wird "die Entscheidung". Das Meta-Modell des NLP fragt nach dem Vorgang zurück, damit wieder sichtbar wird, wer was tut.
Ausführlich erklärt
Das Meta-Modell zählt die Nominalisierung zur Verzerrung. Als Hauptwort klingt ein Vorgang wie ein fester Zustand. "Die Kommunikation ist schlecht" beschreibt etwas, das man hinnehmen muss. "Wir reden nicht miteinander über die Termine" beschreibt etwas, das jemand ändern kann.
Zum Erkennen hilft eine Probe, die in Ausbildungen gern mit einer Schubkarre erklärt wird. Was Sie in eine Schubkarre legen können, ist ein Ding. Vertrauen, Motivation oder Wertschätzung passen nicht hinein. Hinter solchen Wörtern steckt meist ein Verb, also jemand, der vertraut, sich anstrengt oder etwas anerkennt.
Die Frage macht aus dem Hauptwort wieder ein Verb und fragt nach den Beteiligten:
- "Die Motivation im Team ist im Keller." Die Frage: "Wer will was nicht mehr tun, und seit wann?"
- "Ich brauche mehr Unterstützung." Die Frage: "Wer soll Sie wobei unterstützen?"
- "Die Entscheidung steht doch längst." Die Frage: "Wer hat was entschieden, und wann?"
Weitere Sätze stehen im Abschnitt zur Verzerrung im Beitrag zum Meta-Modell. Das Milton-Modell nutzt Nominalisierungen mit Absicht. Ein Wort wie Veränderung füllt jeder Zuhörer mit seinem eigenen Inhalt.
Beispiel: ein Zettel in der Retrospektive
Angenommen, in der Retrospektive eines Entwicklerteams sagt jemand: "Die Zusammenarbeit mit dem Produktmanagement ist schwierig." Alle nicken. Auf dem Whiteboard landet ein Zettel mit dem Wort Zusammenarbeit und einem roten Punkt. Zwei Wochen später hängt dort derselbe Zettel.
In der nächsten Runde fragt die Moderatorin zurück: "Wer arbeitet mit wem wobei nicht so zusammen, wie Sie es brauchen?" Die Antwort kommt schnell. Die Anforderungen für das neue Kundenportal liegen erst am ersten Tag des Sprints vor, und Rückfragen beantwortet der Produktmanager nach zwei Tagen per Mail.
Daraus lässt sich eine Vereinbarung machen. Die Anforderungen kommen zwei Tage vor Sprintbeginn, und für Rückfragen gibt es dienstags eine feste halbe Stunde. Den Zettel mit der Zusammenarbeit hätte niemand abarbeiten können.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Studien, die prüfen, ob das Zurückfragen bei Nominalisierungen mehr bringt als gewöhnliches Nachfragen, kenne ich nicht. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.
Zwei Einwände gehören dazu:
- Nicht jedes Hauptwort muss aufgelöst werden. "Die Kündigung liegt auf dem Tisch" ist eine Nominalisierung und trotzdem klar. Fragen lohnt, wo ein Wort wie Wertschätzung ein Gespräch festhält und niemand sagen kann, was sich ändern soll.
- Die Antwort wird konkret, auch wenn es unangenehm ist. Wer fragt, wer mit wem nicht spricht, bekommt Namen zu hören. Stellen Sie die Frage nur, wenn Sie mit der Antwort weiterarbeiten wollen, und lieber unter vier Augen als vor der Gruppe.
Die Zuordnung schwankt. Manche Ausbildungen führen die Nominalisierung bei der Tilgung und nicht bei der Verzerrung. Am Vorgehen im Gespräch ändert das nichts.
Verwandte Begriffe
- Meta-Modell
Alle dreizehn Muster mit Beispielsatz und Frage, dazu ein Beispieldialog.
- Verzerrung
Die Gruppe des Meta-Modells, zu der die Nominalisierung gehört.
- Milton-Modell
Wo Nominalisierungen mit Absicht vage bleiben.