Die Swish-Technik im NLP
Kurzdefinition
Der Swish ist eine NLP-Technik für Gewohnheiten, die ein fester Auslöser in Gang setzt. Sie lassen das innere Bild dieses Auslösers mehrmals schnell in ein Bild von sich selbst übergehen, wie Sie sein wollen, bis der Auslöser an das neue Bild denken lässt statt an die alte Handlung.
Ausführlich erklärt
Den Swish hat Richard Bandler in den 1980er-Jahren beschrieben, ausführlich in seinem Buch Using Your Brain for a Change von 1985. Er gehört zur Arbeit mit Submodalitäten, also mit den Eigenschaften innerer Bilder wie Größe, Helligkeit und Entfernung. Der Name ahmt das Geräusch einer schnellen Bewegung nach. So schnell soll der Wechsel zwischen den beiden Bildern ablaufen.
Die Technik setzt an dem Moment an, bevor das ungewollte Verhalten beginnt. Wer bei jeder schwierigen Textstelle ins Postfach wechselt, entscheidet sich nicht jedes Mal neu dafür. Der Griff zur Maus kommt von selbst. Der Swish soll diesen Auslöser mit einer anderen Richtung verbinden.
Der Ablauf in der klassischen, visuellen Form:
- Auslöser finden. Was sehen Sie unmittelbar, bevor das Verhalten startet? Gemeint ist ein Bild aus der eigenen Sicht, etwa die Hand, die zum Telefon greift.
- Zielbild entwerfen. Stellen Sie sich selbst vor, als jemand, für den das Problem erledigt ist. Sie sehen sich darin von außen, und das Bild zeigt Sie als Person, nicht eine einzelne Handlung.
- Bilder anordnen. Das Auslöserbild ist groß und hell. Das Zielbild steckt klein und dunkel in einer Ecke davon.
- Wechseln. In etwa einer Sekunde schrumpft und verblasst das Auslöserbild, während das Zielbild groß und hell wird.
- Unterbrechen. Öffnen Sie die Augen und denken Sie kurz an etwas anderes, damit der nächste Durchgang wieder beim Auslöser beginnt.
- Wiederholen. Etwa fünfmal, jedes Mal etwas schneller.
- Testen. Denken Sie an den Auslöser. Taucht das Zielbild von allein auf, oder ist der Impuls schwächer geworden? Danach spielen Sie eine kommende Situation im Kopf durch. Diesen Schritt nennt NLP Future Pace.
Dass das Zielbild eine Person zeigt und keine Handlung, begründen NLP-Ausbildungen mit der Richtung. Wer sich nur ausmalt, die Mail nicht zu öffnen, übt einen Verzicht. Wer sich als jemanden sieht, der an einem schwierigen Absatz dranbleibt, findet selbst heraus, was er stattdessen tut.
Beispiel: der Klick ins Postfach
Ein Produktmanager schreibt an einem Konzept, das er seit zwei Wochen vor sich herschiebt. Sobald ein Absatz hakt, klickt er ins Postfach. Meist bemerkt er es erst, wenn er drei Mails beantwortet hat.
Sein Auslöserbild ist der Moment, in dem der Cursor am Ende eines halbfertigen Satzes blinkt und seine Hand zur Maus geht. Als Zielbild sieht er sich selbst am Schreibtisch, zurückgelehnt, mit einem Stift in der Hand, wie er über den Absatz nachdenkt und dabei gelassen wirkt. Er übt den Wechsel siebenmal und braucht dafür keine fünf Minuten.
In den Tagen danach landet er immer noch gelegentlich im Postfach. Öfter bemerkt er den Impuls aber jetzt, solange die Hand noch auf dem Weg ist, und dieser Moment reicht ihm, um beim Text zu bleiben. Außerdem schließt er das Mailprogramm, solange er am Konzept schreibt. Welcher der beiden Schritte mehr bewirkt hat, kann er nicht sagen.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Kontrollierte Studien, die den Swish für sich allein prüfen, kenne ich nicht. Die Technik stammt aus Bandlers Seminarpraxis, und was für sie spricht, sind vor allem Fallberichte. Wie dünn die Studienlage bei NLP insgesamt ist, fasse ich im Beitrag zur Kritik an NLP und zur Studienlage zusammen.
Der Grundgedanke ist trotzdem brauchbar. Viele Gewohnheiten hängen an einem festen Auslöser, und wer den Auslöser kennt, kann dort ansetzen. Dafür braucht es nicht unbedingt den Bildwechsel. Wer das Mailprogramm schließt oder vorher festlegt, was er tut, wenn ein Absatz hakt, arbeitet an derselben Stelle. Warum ein fester Auslöser ein Vorhaben stabiler macht als eine Uhrzeit, beschreibe ich im Beitrag über Gewohnheiten und den ersten schlechten Tag.
Grenzen hat die Technik an diesen Stellen:
- Sucht und Zwang sind kein Fall für den Swish. Manche Seminare bieten ihn gegen Rauchen oder Essanfälle an. Wenn ein Verhalten Ihre Gesundheit gefährdet oder Sie es trotz großer Anstrengung nicht lassen können, gehört es in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
- Nicht jeder stellt sich Bilder lebhaft vor. Wem innere Bilder schwerfallen, der kann es mit Klängen oder einem Satz versuchen. Trägt auch das nicht, ist der Swish für Sie vermutlich das falsche Werkzeug.
- Ein gelungener Test im Kopf beweist wenig. Ob sich die Gewohnheit ändert, zeigt erst die nächste echte Situation, am besten über mehrere Tage.
Verwandte Begriffe
- Submodalitäten
Die Bildeigenschaften, mit denen der Swish arbeitet, und was davon belegt ist.
- Future Pace
Wie Sie prüfen, ob die Veränderung in einer kommenden Situation hält.
- Gewohnheiten, die bleiben
Warum ein fester Auslöser trägt und was Sie für den ersten Ausfall vorher festlegen.
- Ankern
Eine zweite NLP-Technik, die einen Reiz mit einer Reaktion verknüpft.