Future Pace: der Zukunftsschritt im NLP
Kurzdefinition
Future Pace, auf Deutsch Zukunftsschritt, heißt im NLP, eine neue Reaktion vorab in einer konkreten kommenden Situation durchzuspielen. Dabei zeigt sich, ob eine Veränderung aus der Übung in den Alltag trägt.
Ausführlich erklärt
Fast jedes NLP-Format endet mit diesem Schritt. Nach einer Übung zum Ressourcenzustand, nach einem Swish oder nach der Arbeit an einem Ziel fragt die Trainerin, wann die nächste Situation kommt, in der Sie das Neue brauchen. Diese Situation gehen Sie dann im Kopf durch.
Zwei Dinge sollen dabei passieren. Die Veränderung wird mit einem konkreten Anlass in Ihrem Alltag verknüpft. Und Sie bemerken, wo es noch hakt, solange Sie es ändern können.
So läuft der Schritt ab:
- Situation wählen. Ein konkreter Termin, der bald ansteht, mit Ort, Personen und Uhrzeit. "Das nächste Meeting" ist zu vage. "Der Jour fixe am Montag um zehn, wenn wieder eine Zusatzaufgabe verteilt wird" ist brauchbar.
- Hineingehen. Erleben Sie die Situation aus Ihren eigenen Augen bis zu dem Moment, in dem sonst das alte Verhalten beginnt.
- Die neue Reaktion durchspielen. Was sagen und tun Sie jetzt anders? Gehen Sie es Wort für Wort durch, auch die Antwort des Gegenübers.
- Auf Zögern achten. Wo wird es unbequem? An welcher Stelle glauben Sie sich selbst nicht? Das ist die wertvollste Information des ganzen Schritts.
- Nachbessern und eine zweite Situation wählen. Hält die Veränderung auch in einem anderen Zusammenhang?
Beim vierten Punkt berührt sich der Future Pace mit dem Ökologie-Check. Ein Stocken beim Durchspielen ist oft der erste Hinweis, dass eine Veränderung etwas kostet, das noch niemand benannt hat.
Beispiel: Prioritäten klären im Jour fixe
Ein Teamleiter hat sich vorgenommen, nicht mehr jede zusätzliche Aufgabe seiner Bereichsleiterin sofort zuzusagen. Im Coaching findet er einen Satz, der zu ihm passt: "Das kann ich übernehmen. Dann rutscht aber die Migration um eine Woche. Was ist Ihnen wichtiger?"
Beim Future Pace geht er den nächsten Jour fixe durch. Er sieht den Raum und die Bereichsleiterin am Kopfende und hört, wie sie die neue Aufgabe vorstellt. Er spricht seinen Satz innerlich und stockt an einer Stelle. Vor den vier Kollegen fühlt sich die Frage nach der Priorität an wie Widerspruch vor Publikum.
Genau dafür ist der Schritt da. Den Satz behält er. Er ändert den Ort, an dem er ihn sagt. Im Meeting will er nur ankündigen, dass er die Auswirkungen kurz prüft, und die Priorität danach unter vier Augen klären. Beim zweiten Durchgang stockt nichts mehr.
Im echten Jour fixe läuft es fast wie geplant. Die Bereichsleiterin fragt allerdings schon im Meeting, wie lange die Prüfung dauert. Mit dieser Frage hat er nicht gerechnet. Er nennt den Donnerstag.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Studien zum Future Pace als NLP-Technik sind mir nicht bekannt. Gut untersucht ist dagegen das mentale Üben, also das Durchspielen einer Handlung im Kopf. James Driskell, Carolyn Copper und Aidan Moran fassten 1994 in einer Metaanalyse Studien dazu zusammen. Mentales Üben verbesserte die Leistung, wenn auch weniger als echtes Üben.
Für die Praxis wichtiger ist ein Unterschied in der Art des Durchspielens. Lien Pham und Shelley Taylor ließen 1999 Studierende vor einer Prüfung entweder den Lernweg durchspielen oder sich die gute Note ausmalen. Wer den Weg durchspielte, lernte länger und schnitt besser ab. Gabriele Oettingen hat in mehreren Studien beobachtet, dass Menschen, die sich ein Ziel besonders positiv ausmalen, sich danach weniger anstrengen und es seltener erreichen.
Für den Future Pace heißt das, den schwierigen Moment zu üben statt des Applauses danach. Ein Durchgang, in dem alles glatt läuft, fühlt sich gut an und bringt wenig. Ein Durchgang, in dem Sie stocken, zeigt Ihnen, woran Sie noch arbeiten müssen.
Dass sich eine Übung im Kopf gut anfühlt, belegt noch nicht, dass sie im Alltag wirkt. Prüfen lässt sich das nur in der echten Situation. Wie es um die Belege für NLP insgesamt steht, fasse ich im Beitrag zur Kritik an NLP und zur Studienlage zusammen.
Verwandte Begriffe
- Ressourcenzustand
Den Zustand, den Sie für eine Situation brauchen, gezielt aufrufen.
- Ökologie-Check
Fragen für den Fall, dass Sie beim Durchspielen zögern.
- Wohlgeformte Ziele
Kontext und erster Schritt als Kriterien eines tragfähigen Ziels.
- Gewohnheiten, die bleiben
Warum ein Plan für den ersten schlechten Tag mehr hilft als Vorsätze.