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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Phobie-Technik im NLP (Fast Phobia Cure)

Kurzdefinition

Die Phobie-Technik, englisch Fast Phobia Cure, ist ein NLP-Format, bei dem Sie eine angstbesetzte Erinnerung aus doppelter Distanz wie einen Film betrachten und danach rückwärts ablaufen lassen. Sie soll die Angstreaktion auf einen bestimmten Auslöser abschwächen. Belegt ist das bisher kaum.

Ausführlich erklärt

In Ausbildungen heißt das Format auch V/K-Dissoziation, kurz für visuell-kinästhetische Dissoziation. Gemeint ist, dass Sie das Bild einer Szene sehen, ohne das zugehörige Gefühl mitzuerleben. Im NLP wird es für einzelne, klar umrissene Ängste gelehrt, etwa vor Spinnen, vor Höhe oder vor dem Fliegen.

Der Ablauf in der Vorstellung:

  1. Im Kino Platz nehmen. Sie sitzen in einem leeren Kinosaal. Auf der Leinwand steht ein Standbild, das Sie selbst kurz vor dem belastenden Erlebnis zeigt.
  2. Eine zweite Distanz herstellen. Sie wechseln in den Vorführraum und sehen von dort, wie Sie im Saal sitzen und auf die Leinwand schauen.
  3. Den Film ablaufen lassen. Die Erinnerung läuft in Schwarz-Weiß bis zu dem Moment, an dem alles vorbei war und Sie wieder sicher waren.
  4. Rückwärts spulen. Am Ende steigen Sie in das letzte Bild ein und lassen den Film in Farbe und in ein bis zwei Sekunden rückwärts laufen, bis zum Anfang.
  5. Wiederholen und prüfen. Der Rücklauf wird mehrmals wiederholt. Danach denken Sie an den Auslöser und beobachten, ob die Reaktion schwächer ausfällt.

Das Format setzt zwei andere Konzepte zusammen. Die doppelte Distanz ist eine gesteigerte Form des dissoziierten Erinnerns, das der Eintrag Assoziiert und dissoziiert erklärt. Schwarz-Weiß und Tempo sind Submodalitäten, also Eigenschaften eines inneren Bildes.

Gelehrt wird das Format als begleitete Übung. Für die Selbstanwendung bei starker Angst ist es nicht gedacht.

Beispiel: die Erinnerung an einen Blackout

Eine Vertriebsleiterin hat vor zwei Jahren in einer Kundenpräsentation den Faden verloren und eine halbe Minute geschwiegen. Seitdem bekommt sie vor jedem Vortrag feuchte Hände, sobald sie an diesen Moment denkt. Sie hält weiter Vorträge, und eine Störung ist das nicht. Die Erinnerung stört sie trotzdem.

Mit einer Übungspartnerin aus ihrer NLP-Ausbildung geht sie das Format durch. Vom Vorführraum aus sieht sie sich im Saal sitzen. Auf der Leinwand läuft die Präsentation in Schwarz-Weiß, vom Betreten des Raums bis zu dem Punkt nach dem Vortrag, an dem der Kunde freundlich zwei Fragen stellt. Dann läuft alles rückwärts, in Farbe und so schnell, dass die Zuhörer rückwärts aus dem Raum gehen.

Nach einigen Durchgängen denkt sie an den Moment des Schweigens. Das Bild ist noch da, wirkt aber weiter weg, und die Hände bleiben trocken.

Bewiesen ist damit wenig. Vielleicht hat das Format gewirkt. Vielleicht hat es gereicht, die Szene einmal bis zum Ende anzusehen, denn die Präsentation ging damals gut aus. Ob die Wirkung hält, zeigt ihr nächster Vortrag vor Kunden.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Der englische Name verspricht eine schnelle Heilung, und dafür reicht die Studienlage nicht. Bruce Arroll und Kollegen veröffentlichten 2017 eine randomisierte Studie mit Menschen aus Auckland in Neuseeland, die in einem Fragebogen zur Höhenangst hohe Werte hatten. Eine Gruppe erhielt eine Imaginationsübung, die andere eine Meditation von 15 Minuten. Ausgewertet wurden 98 Personen. Nach acht Wochen lagen in der Übungsgruppe 18 von 52 unter dem Schwellenwert des Fragebogens, in der Meditationsgruppe 7 von 46. Die Autoren nennen die Übung "wahrscheinlich wirksam" und ihre Arbeit die erste randomisierte Studie dazu. In der Zusammenfassung heißt sie nur neuartige Imaginationsübung. Eine Übersichtsarbeit aus demselben Jahr, an der Arroll ebenfalls beteiligt war, führt einen Vergleich des "rapid phobia cure", dort als NLP-Technik bezeichnet, mit einer Achtsamkeitsübung auf.

Gemessen wurde mit einem Fragebogen. Ob die Teilnehmer danach auf einen Turm stiegen, sagt die Zusammenfassung der Studie nicht. Eine einzelne Studie dieser Art ist ein Anfang und kein Beleg. Was die Forschung zu NLP insgesamt zeigt, steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.

Drei Grenzen sind mir wichtig:

  • Eine Angststörung gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wer wegen einer Angst Situationen meidet, Panikattacken hat oder im Alltag eingeschränkt ist, braucht eine Diagnose und eine Behandlung. Ein Seminarformat ersetzt beides nicht.
  • Traumafolgen sind kein Übungsmaterial. Erinnerungen an Gewalt, an Unfälle oder an andere schwere Erlebnisse gehören nicht in eine Übung unter Seminarteilnehmern.
  • Wer Heilung zusagt, behauptet mehr, als die Daten hergeben. Das gilt für Anbieter, die mit dem Wort "Cure" werben, und für jede Zusage, wie schnell eine Angst verschwindet.

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