Zum Inhalt springen
Thilo Krause
NLP-Lexikon

Was Modaloperatoren im NLP sind

Kurzdefinition

Modaloperatoren sind Wörter wie muss, sollte, darf nicht und kann nicht. Das Meta-Modell des NLP achtet auf sie, weil sie eine Regel aufstellen und offenlassen, was bei einem Verstoß geschieht oder was genau im Weg steht.

Ausführlich erklärt

Den Namen haben Richard Bandler und John Grinder aus der Logik übernommen. In The Structure of Magic von 1975, dem Buch zum Meta-Modell, sprechen sie von dem, was Logiker Modaloperatoren der Notwendigkeit und der Möglichkeit nennen. In einer Anmerkung schreiben sie, dass sie die Terminologie aus logischen Systemen entlehnen.

Im Deutschen sind viele dieser Wörter Modalverben, etwa müssen, sollen, dürfen und können. Der Begriff reicht aber weiter, denn auch "es ist nötig" und "das ist unmöglich" gehören dazu. Mit Submodalitäten haben Modaloperatoren trotz des ähnlichen Namens nichts zu tun. Dort geht es um Eigenschaften innerer Bilder und Klänge.

Bandler und Grinder unterscheiden zwei Gruppen, und zu jeder gehört eine eigene Frage:

  • Modaloperatoren der Notwendigkeit. "Ich muss", "man sollte", "ich darf nicht", "es ist nötig". Der Satz nennt eine Pflicht und lässt die Folge weg. Die Frage lautet: "Was würde passieren, wenn Sie es nicht täten?"
  • Modaloperatoren der Möglichkeit. "Ich kann nicht", "niemand kann", "das ist unmöglich". Der Satz erklärt etwas für unmöglich und lässt das Hindernis weg. Die Frage lautet: "Was hindert Sie daran?"

Die beiden Autoren lesen diese Wörter als Hinweis auf Regeln, die einem Menschen wenig Wahl lassen. In ihrem Buch stehen sie bei den Tilgungen, weil die Folge oder das Hindernis fehlt. In diesem Lexikon stehen sie bei der Generalisierung, weil der Satz eine Regel aufstellt. Für die Anwendung macht das keinen Unterschied.

Der NLP-Autor Steve Andreas erweiterte die Einteilung in zwei Beiträgen für die Zeitschrift Anchor Point von 2000 und 2001 auf vier Arten. Neben Notwendigkeit und Möglichkeit stehen bei ihm Wunsch und Wahl. "Ich muss die Präsentation halten", "Ich will sie halten", "Ich kann sie halten" und "Ich entscheide mich, sie zu halten" beschreiben also dieselbe Handlung und jeweils einen anderen Bezug zu ihr.

Im Milton-Modell setzt der Sprecher dieselben Wörter absichtlich ein, etwa in "Sie können sich Zeit lassen, bevor Sie antworten".

Beispiel: jedes Angebot über den Schreibtisch der Chefin

Angenommen, die Inhaberin eines kleinen Ingenieurbüros sagt im Coaching: "Ich muss jedes Angebot selbst gegenlesen." Das kostet sie jede Woche einen Abend.

Der Coach fragt: "Was würde passieren, wenn Sie es nicht täten?" Sie überlegt. Dann könnten falsche Preise hinausgehen, sagt sie, und unter dem Angebot steht ihr Name. Damit hat die Regel einen Inhalt bekommen. Es geht um die Preise, den Rest liest sie aus Gewohnheit.

Sie erwägt, dem Bauleiter das Gegenlesen zu übergeben, und sagt gleich danach: "Aber ich kann ihm die Kalkulation nicht geben." Der Coach fragt: "Was hindert Sie daran?" Die Antwort ist konkret. In der Kalkulation stehen die Stundensätze aller Mitarbeiter. Also könnte sie die Preisseite selbst prüfen und ihm den Rest ohne Kalkulation geben.

Ob das gut geht, zeigen die nächsten Angebote. Die Fragen haben die Pflicht kleiner gemacht und das Risiko dahinter benannt. Beseitigt haben sie es nicht.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Eine Studie, die zeigt, dass gezieltes Nachfragen bei diesen Wörtern mehr bewirkt als sonstiges genaues Nachfragen, kenne ich nicht. Bandler und Grinder haben die Muster aus Therapiegesprächen abgeleitet und nicht im Experiment geprüft. Was die Forschung zu NLP insgesamt sagt, steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.

  • Manche Pflichten sind echt. Eine Kündigungsfrist verschwindet nicht durch eine Frage. Die Frage bringt dann die tatsächliche Folge auf den Tisch, und mit der können Sie rechnen.
  • Nicht jedes "kann nicht" ist eine Regel. Wer krank oder überlastet ist, beschreibt mit "Ich kann nicht mehr" oft schlicht seine Lage. "Was hindert Sie daran?" klingt dann wie ein Vorwurf. Hier hilft Entlastung mehr als eine Klärungsfrage.
  • Umformulieren ändert die Lage nicht. Wer "ich muss" durch "ich will" ersetzt, hat noch nichts geklärt, solange Folge und Hindernis offen sind.

Verwandte Begriffe

Modaloperatoren im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

Zum NLP-Training