Das VAKOG-Modell im NLP: Sinneswörter erkennen, mit Beispielsätzen und Übung
Was die fünf Buchstaben bedeuten und woran Sie die Kanäle in der Sprache erkennen. Mit einer Tabelle typischer Sinneswörter, Beispielsätzen, einem erfundenen Gespräch in zwei Fassungen, einer Übung für eine Woche und dem, was Studien zum bevorzugten Kanal und zu den Augenbewegungen gefunden haben.
„Ich sehe da keinen Weg." „Das klingt nach Ärger." „Mir liegt das schwer im Magen." Drei Kollegen sagen damit ungefähr dasselbe, sie haben Bedenken. Jeder beschreibt sie mit einem anderen Sinn.
Das VAKOG-Modell ordnet Wahrnehmung und Vorstellung nach fünf Sinneskanälen, visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch. Im NLP heißen diese Kanäle Repräsentationssysteme, die Wörter, mit denen jemand einen Kanal anspricht, heißen Prädikate. Im Alltag taugt das Modell als Hörhilfe. Sie achten darauf, in welchem Bild jemand spricht, und fragen in diesem Bild weiter.
Dieser Beitrag zeigt die typischen Wörter je Kanal, Beispielsätze, ein erfundenes Gespräch in zwei Fassungen und eine Übung für eine Woche. Am Ende steht, was Studien zum bevorzugten Kanal und zu den Augenbewegungen gefunden haben. Die Begriffserklärung mit Herkunft steht im Lexikoneintrag Repräsentationssysteme.
Was die fünf Buchstaben bedeuten
Jeder Buchstabe steht für einen Sinn:
- V wie visuell. Sehen, innere Bilder, Farben, Abstand.
- A wie auditiv. Hören, Stimmen, Klang, auch das Gespräch mit sich selbst.
- K wie kinästhetisch. Fühlen im weiten Sinn, also Berührung, Bewegung, Körperspannung und Gefühle.
- O wie olfaktorisch. Riechen.
- G wie gustatorisch. Schmecken.
Riechen und Schmecken kommen in Gesprächen selten vor. Viele Ausbildungen sprechen deshalb nur von VAK. Beschrieben haben das Modell Richard Bandler und John Grinder, die Begründer des NLP, unter anderem in Frogs into Princes von 1979.
Prädikate: typische Wörter je Kanal
Die Tabelle sammelt Wörter, die im Deutschen einen Kanal ansprechen, und je einen Beispielsatz. Die Sätze habe ich selbst gebildet.
| Kanal | Typische Wörter | Beispielsatz |
|---|---|---|
| Visuell | sehen, zeigen, Bild, klar, unscharf, Überblick, Blickwinkel, hell, düster | „Ich sehe noch nicht, wo das hinführt." |
| Auditiv | hören, sagen, klingen, Ton, laut, leise, still, fragen, verstimmt | „Das klingt für mich nach einem faulen Kompromiss." |
| Kinästhetisch | fühlen, spüren, greifen, Druck, schwer, leicht, angespannt, festhalten, warm | „Ich habe das Projekt noch nicht im Griff." |
| Olfaktorisch | riechen, Geruch, Nase, stinken, Lunte, anrüchig | „Da riecht etwas nach Ärger." |
| Gustatorisch | schmecken, Geschmack, bitter, süß, sauer, fade, Nachgeschmack | „Die Entscheidung hat einen bitteren Nachgeschmack." |
Wörter wie denken, verstehen, wissen, prüfen oder entscheiden gehören zu keinem Kanal. Wer nur solche Wörter benutzt, sagt Ihnen über seine Vorstellung nichts, und das ist auch eine Information.
Eine Einschränkung gehört gleich an den Anfang. Viele Prädikate sind abgegriffene Redewendungen. Wer „Ich sehe, was Sie meinen" sagt, hat dabei selten ein Bild vor Augen. Mehr verrät ein Satz, den jemand selbst ausmalt. „Das Projekt ist ein Nebel, und jede Woche zieht es weiter zu" sagt mehr über die Lage als ein beiläufiges „Sehe ich anders".
Beispiele: eine Sorge in fünf Kanälen
Eine Abteilung soll mit einer anderen zusammengelegt werden. Fünf erfundene Sätze, die alle dieselbe Sorge ausdrücken:
- Visuell: „Ich sehe nicht, wo in dem neuen Organigramm noch Platz für uns ist."
- Auditiv: „Bisher hat uns keiner gesagt, wer am Ende das letzte Wort hat."
- Kinästhetisch: „Mir zieht sich bei dem Gedanken alles zusammen."
- Olfaktorisch: „Das riecht nach Stellenabbau."
- Gustatorisch: „Die ganze Sache schmeckt mir nicht."
Jede Fassung legt eine andere Rückfrage nahe. Beim ersten Satz liegt nahe zu fragen, was im Organigramm fehlt. Beim zweiten, welche Entscheidung ungeklärt ist. Beim dritten, was genau die Anspannung auslöst. Das ist der praktische Wert der Wortwahl. Sie zeigt, wo jemand gerade hinschaut, und gibt Ihnen die nächste Frage.
Beispiel: ein Gespräch in zwei Fassungen
Das folgende Gespräch ist erfunden. Aylin arbeitet im Projektbüro, Jonas leitet das Team. Seit zwei Monaten gibt es eine neue Wochenplanung.
Fassung 1: Jonas übersetzt in seine Worte.
Aylin: „Seit der neuen Planung renne ich jede Woche hinterher."
Jonas: „Lass uns mal auf den Plan schauen. Ich zeig dir die Übersicht, dann siehst du, dass alles gut verteilt ist."
Aylin: „Die Übersicht kenne ich."
Jonas hat die Lage in ein Bild übersetzt, in seins. Aylin hat von Tempo und Erschöpfung gesprochen, er antwortet mit einer Grafik, die sie schon kennt. Das Gespräch ist danach zu Ende, die Sorge nicht.
Fassung 2: Jonas bleibt in ihrem Bild.
Aylin: „Seit der neuen Planung renne ich jede Woche hinterher."
Jonas: „Hinterherrennen. Wann merkst du das in der Woche zuerst?"
Aylin: „Montags. Da kommen die Anfragen aus dem Vertrieb, und die stehen in keinem Plan."
Jonas: „Du rennst also ab Montag Anfragen hinterher, die der Plan nicht kennt. Was müsste passieren, damit du am Montag nicht schon zurückliegst?"
Aylin: „Wenn die Anfragen bis Freitag da wären, könnte ich sie einplanen."
In der zweiten Fassung hat Jonas keinen Typ bestimmt. Er hat Aylins Bild vom Hinterherrennen aufgenommen und darin weitergefragt. Dadurch kam der Montag auf den Tisch und mit ihm ein Vorschlag, den Aylin selbst gemacht hat. Wie aus dem Anschließen an den anderen später ein eigener Vorschlag wird, zeigt der Beitrag Pacing und Leading mit Beispielen.
Was nicht hilft, ist mechanisches Angleichen. Wer drei Sätze am Stück mit Fühlwörtern bestückt, weil sein Gegenüber einmal „Druck" gesagt hat, klingt nach Gesprächstraining. Es reicht, das eine Wort aufzugreifen, das der andere selbst gewählt hat.
Übung: eine Woche auf Sinneswörter hören
Die Übung braucht keinen Partner, nur einen Zettel oder eine Notiz-App.
- Tag 1 und 2: nur zuhören. Notieren Sie in Besprechungen und Telefonaten fünf Sätze, die ein Sinneswort enthalten. Schreiben Sie den Kanal dazu und wer den Satz gesagt hat.
- Tag 3: die eigene Sprache prüfen. Lesen Sie drei Mails, die Sie in dieser Woche geschrieben haben, und markieren Sie Ihre eigenen Sinneswörter. Viele haben Lieblingswendungen, ohne es zu merken.
- Tag 4 und 5: einmal am Tag aufgreifen. Wenn jemand ein Bild benutzt, das er sich erkennbar selbst ausgedacht hat, fragen Sie darin weiter. „Wo genau wird es unscharf?" „Wer müsste das sagen, damit es gilt?" „Wann wird der Druck am stärksten?" Notieren Sie, was die Antwort Neues gebracht hat.
- Tag 6: Notizen sortieren. Sortieren Sie Ihre Sätze nach Person. Prüfen Sie, ob dieselbe Person bei verschiedenen Themen verschiedene Kanäle benutzt.
- Tag 7: auswerten. Welche Rückfrage hat ein Gespräch weitergebracht, welche hat es nur verlängert? Behalten Sie die Fragen, die etwas Konkretes zutage gefördert haben.
Für eine kürzere Fassung reichen zehn Minuten. Beschreiben Sie den gestrigen Arbeitstag schriftlich in fünf Sätzen, jeweils nur mit Wörtern aus einem Kanal. Riechen und Schmecken werden Ihnen schwerfallen, und daran merken Sie, wie wenig Platz diese beiden Sinne in der Alltagssprache haben. Wenn Sie innerhalb eines Kanals genauer werden wollen, etwa wie groß oder hell ein inneres Bild ist, geht es um Submodalitäten.
Was Studien gefunden haben
Das klassische Modell macht mehr Annahmen als die, mit denen dieser Beitrag arbeitet. Jeder Mensch soll einen bevorzugten Kanal haben, und wer dessen Prädikate aufgreift, soll schneller Vertrauen gewinnen. Außerdem soll die Blickrichtung zeigen, in welchem Kanal jemand gerade denkt. Diese Zusatzannahmen sind untersucht worden.
Christopher Sharpley wertete 1984 im Journal of Counseling Psychology 15 Studien zum bevorzugten Repräsentationssystem aus, Titel der Arbeit: Predicate Matching in NLP. Er fand wenig, was den Einsatz eines bevorzugten Kanals stützt. 1987 legte er mit Daten aus sieben weiteren Studien nach, die die Grundannahmen des NLP weiter in Frage stellten. Für ein bevorzugtes Repräsentationssystem, für die Blickrichtung als Hinweis darauf und für den Nutzen angepasster Prädikate gibt es damit keine verlässliche Bestätigung.
Zu den Augenbewegungen fanden Übersichtsarbeiten der 1980er-Jahre ebenfalls keine verlässliche Bestätigung. Das Schema steht im Eintrag Augenzugangshinweise. Richard Wiseman und Kollegen prüften 2012 in The Eyes Don't Have It die verwandte Behauptung, bestimmte Blickrichtungen verrieten eine Lüge. Ihre drei Studien stützten die Behauptung nicht.
Was bleibt, ist bescheidener und trotzdem brauchbar. Die Worte eines Menschen zeigen, wie er eine Lage gerade beschreibt. Was für ein Mensch er ist, zeigen sie nicht. Wer Kollegen nach ihren Lieblingswörtern in Typen einteilt, hört ab da weniger zu. Warum eine gute Arbeitsbeziehung nicht aus angepassten Prädikaten entsteht, beschreibe ich im Beitrag Rapport: was wirklich wirkt. Einen Überblick über die Studienlage zu NLP insgesamt gibt der Beitrag Was NLP in der Praxis leisten kann.
Häufige Fragen
Was bedeutet VAKOG?
VAKOG ist eine Abkürzung für die fünf Sinneskanäle im NLP: visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch. Gemeint sind Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken. Weil Riechen und Schmecken in Gesprächen selten vorkommen, ist oft auch nur von VAK die Rede.
Was sind Prädikate im NLP?
Prädikate sind im NLP Wörter, die einen Sinneskanal ansprechen, etwa „sehen", „klingen" oder „spüren". Der Begriff ist weiter gefasst als im Grammatikunterricht. Neben Verben zählen auch Substantive und Adjektive wie „Überblick" oder „schwer" dazu.
Gibt es visuelle, auditive und kinästhetische Typen?
Dafür gibt es keine verlässlichen Belege. Christopher Sharpley fand 1984 in seiner Auswertung von 15 Studien wenig, was die Annahme eines bevorzugten Kanals stützt. Brauchbar ist es, auf die Worte in einem bestimmten Gespräch zu hören, ohne daraus einen Typ abzuleiten.
Ist VAKOG dasselbe wie die Lerntypen?
Nein, aber die Ideen ähneln sich. Die Lerntypen stammen nicht aus dem NLP. Sie besagen, dass Menschen besser lernen, wenn der Unterricht zu ihrem bevorzugten Sinn passt. Harold Pashler und Kollegen fanden 2008 in einer Übersichtsarbeit keine ausreichenden Belege dafür, dass eine solche Anpassung den Lernerfolg verbessert.
Was ist der Unterschied zwischen VAKOG und Submodalitäten?
VAKOG unterscheidet die Sinneskanäle, also ob jemand etwas sieht, hört oder spürt. Submodalitäten sind die Unterscheidungen innerhalb eines Kanals, etwa wie groß, hell oder nah ein inneres Bild ist. Eine Liste mit Übung steht im Beitrag Submodalitäten: Liste, Beispiele und Übung.
Zuhören mit Rückmeldung üben
Allein merken Sie nach einer Woche, welche Wörter Ihnen auffallen. Ob Ihre Rückfragen beim anderen ankommen, sagt Ihnen ein Gegenüber schneller. Im Coaching für Beruf und Führung arbeiten wir an Gesprächen, die Sie gerade beschäftigen. Weitere Übungen ohne Partner stehen im Beitrag NLP-Übungen für zuhause.