Zum Inhalt springen
Thilo Krause
Alle Beiträge
Thilo Krause

Pattern Interrupt anwenden: sechs Beispiele aus Coaching und Alltag, mit Anleitung und Übung

Wie Sie eine Musterunterbrechung gezielt einsetzen, bei sich selbst und in Gesprächen, die immer gleich laufen. Mit dem Handschlag aus dem Buch Trance-formations, fünf erfundenen Beispielen aus Coaching, Besprechung, Partnerschaft und Selbstführung, einer Anleitung in fünf Schritten, einer Übung für eine Woche und der Frage, wann aus der Unterbrechung Manipulation wird.

Laufschuhe auf einer Laufbahn im Morgenlicht

Manche Abläufe laufen von selbst. Eine Kollegin fragt „Wie geht's?“, und Sie sagen „Gut“, bevor Sie nachgedacht haben. Der Streit über die Spülmaschine ist nach vier Sätzen so laut wie letzte Woche. Ihre Hand greift zum Handy, sobald eine Aufgabe zäh wird. Ein Pattern Interrupt setzt an genau so einer Stelle an.

Was der Begriff bedeutet und woher er kommt, steht kurz im Lexikoneintrag zum Pattern Interrupt. Hier geht es um die Anwendung, mit Beispielen, einer Anleitung, einer Übung und der Frage, wann eine Unterbrechung übergriffig wird.

Was ist ein Pattern Interrupt im NLP?

Ein Pattern Interrupt, deutsch Musterunterbrechung, stört einen Ablauf, der sonst automatisch weiterliefe. Wer mitten in so einem Ablauf steckt, ist schon auf den nächsten Schritt eingestellt. Bleibt dieser Schritt aus, entsteht ein kurzer Moment, in dem nichts Gewohntes kommt.

Ausführlich beschrieben ist die Idee in Trance-formations von Richard Bandler und John Grinder aus dem Jahr 1981. Das Buch gibt Seminare zur Hypnose wieder. Dort ist „pattern interruption“ eine Klasse von Tranceeinleitungen, und die Anweisung dazu ist knapp. Sie suchen ein starres Muster, das ein Mensch hat, beginnen es und unterbrechen es dann.

Das klassische Beispiel ist der Handschlag. Für die Autoren ist er eine einzige, automatische Verhaltenseinheit. Er hat keine Mitte, weil niemand je aus der Mitte eines Handschlags in etwas anderes gewechselt ist. Wer ihn mittendrin anhält, lässt das Gegenüber für einen Moment ohne nächsten Schritt. In diesen Moment hinein gibt der Hypnotiseur eine Anweisung, der die meisten folgen.

Den Handschlag von Milton H. Erickson ordnen Bandler und Grinder als eigene Spielart ein. Erickson löste beim Händeschütteln mit einer Frau seine Hand so uneindeutig, dass sie nicht wusste, wann die letzte Berührung war. Die Autoren nennen das kinästhetische Mehrdeutigkeit.

Außerhalb der Hypnose bleibt davon eine brauchbare Beobachtung. Ein eingespielter Ablauf lässt sich an einer bestimmten Stelle anhalten. Ob sich dadurch etwas ändert, hängt davon ab, was danach kommt.

Sechs Beispiele für Pattern Interrupts

Das erste Beispiel stammt aus Trance-formations. Die anderen fünf habe ich erfunden. Sie zeigen typische Situationen und keine echten Klienten.

1. Aus dem Buch: der Handschlag und das „Wie geht's?“

Im Seminar reicht der Trainer einer Teilnehmerin die Hand. Sie streckt ihre aus, er fasst ihr Handgelenk mit seiner linken Hand und hebt die Hand leicht an. Danach folgt die Suggestion, den Arm nur so schnell sinken zu lassen, wie sie in Trance geht.

Im selben Kapitel steht ein Beispiel aus der Sprache. Wer auf „Wie geht's?“ statt mit „Gut“ mit einer langen Klage antwortet, verlässt die übliche Antwort, und die meisten Menschen haben dafür keine Fortsetzung.

Nachmachen würde ich keines davon bei Menschen, die nicht wissen, worauf sie sich einlassen. Warum, steht unter den Grenzen.

2. Erfunden, aus dem Coaching: die Geschichte, die zum dritten Mal kommt

Eine Klientin erzählt in der dritten Sitzung wieder, wie ihr Bereichsleiter sie im Meeting unterbrochen hat. Die Sätze sind dieselben wie beim letzten Mal, am Ende steht wieder „Der ändert sich eh nicht“. Zu Beginn des Coachings haben beide vereinbart, dass der Coach eingreifen darf, wenn sie im Kreis erzählt.

Als sie zum dritten Satz ansetzt, bittet er sie, aufzustehen und die Szene vom Fenster aus zu beschreiben, als säße sie nicht selbst am Tisch. Sie stockt. Dann beschreibt sie zum ersten Mal, was sie kurz vor der Unterbrechung selbst gesagt hat. Der Platzwechsel ist die Unterbrechung. Der Blick von außen, den NLP als Wahrnehmungsposition beschreibt, ist der nächste Schritt.

3. Erfunden, aus einer Besprechung: die Diskussion im Kreis

In einer Projektrunde geht es seit zwanzig Minuten darum, ob der Starttermin hält. Zwei Kollegen wiederholen ihre Argumente, die anderen schweigen. Die Moderatorin bittet alle, zwei Minuten lang still auf eine Karte zu schreiben, welchen Termin sie für wahrscheinlich halten und warum.

Die Karten kommen an die Wand. Drei Leute, die bisher nichts gesagt haben, nennen einen späteren Termin als beide Streitenden. Die Unterbrechung hat die Form des Gesprächs geändert. Danach liegt etwas Neues auf dem Tisch, und damit arbeitet die Runde weiter.

4. Erfunden, aus einer Partnerschaft: der Streit über die Spülmaschine

Ein Paar streitet jede Woche gleich. Er fragt, warum die Töpfe wieder neben der Spüle stehen. Sie zählt auf, was sie heute schon erledigt hat, und beide werden lauter. Eines Abends sagt sie an der Stelle, an der sonst ihre Aufzählung käme: „Lass uns das draußen beim Gehen besprechen.“

Unterwegs einigen sich die beiden, wer an welchen Tagen die Küche übernimmt. Beim dritten Mal sagt er „Schon wieder der Spaziergang“. Da hat die Unterbrechung ihren Zweck schon erfüllt, weil es eine Absprache gibt.

5. Erfunden, zur Selbstführung: der Griff zum Handy

Ein Entwickler greift zum Handy, sobald ein Fehler im Code nicht gleich verschwindet. Also legt er das Handy in eine Schublade im Flur. Wichtiger ist seine zweite Regel. Bemerkt er den Griff, schreibt er auf einen Zettel, was er als Nächstes am Fehler prüfen will.

Die Schublade unterbricht den Ablauf. Der Zettel liefert den nächsten Schritt, den der alte Ablauf nicht hatte.

6. Erfunden, zur Selbstführung: das schnelle Ja

Eine Teamleiterin sagt fast immer sofort zu, wenn jemand sie um Hilfe bittet. Ihre eigenen Aufgaben bleiben liegen. Sie legt sich einen Satz zurecht, den sie bei jeder Bitte zuerst sagt: „Ich schaue in meinen Kalender und sage dir bis heute Nachmittag Bescheid.“ Der Satz hält das automatische Ja an. Am Nachmittag sagt sie manchen Bitten zu und anderen ab.

Wie wendet man einen Pattern Interrupt an? Anleitung in fünf Schritten

  1. Den Ablauf beschreiben. Schreiben Sie auf, was der Reihe nach passiert, vom Auslöser bis zum Ende. „Wir streiten“ ist zu grob. „Er fragt nach den Töpfen, ich zähle auf, was ich erledigt habe, wir werden lauter“ ist brauchbar.
  2. Die Stelle wählen. Unterbrechen Sie früh, bevor der Ablauf seinen Höhepunkt erreicht. Bei sich selbst ist es meist die erste Bewegung, etwa die Hand auf dem Weg zum Handy.
  3. Die Unterbrechung wählen. Es reicht etwas, das an dieser Stelle nicht vorgesehen ist. Sie stehen auf, wechseln den Raum, lassen schreiben statt reden oder stellen eine Frage, die nicht zum Ablauf gehört. Bei anderen Menschen wählen Sie etwas, das niemanden bloßstellt.
  4. Den nächsten Schritt festlegen. Diesen Schritt halte ich für den wichtigsten. In Trance-formations folgt auf die Unterbrechung eine Anweisung, wie es weitergehen soll. Fehlt so ein nächster Schritt, läuft oft einfach der alte Ablauf weiter. Legen Sie ihn deshalb vorher fest. Manchmal ist er keine Handlung, sondern eine andere Deutung der Lage. Wie das aussieht, zeigt der Beitrag mit Beispielen für Reframing.
  5. Beobachten und wechseln. Wirkt die Unterbrechung nicht mehr, ist sie selbst zum Ablauf geworden. Dann wechseln Sie die Unterbrechung oder sprechen das eigentliche Thema an. Ich halte das Zweite meist für den besseren Weg.

Bei anderen Menschen ist es oft freundlicher, im Gespräch erst mitzugehen und dann eine Richtung vorzuschlagen. Wie das geht, beschreibt der Beitrag zu Pacing und Leading.

Grenzen: wann aus der Unterbrechung Manipulation wird

Bandler und Grinder schreiben, die Technik gelinge leichter bei Menschen, die nicht wissen, dass jemand mit hypnotischen Mustern arbeitet. Genau dort liegt für mich die Grenze. Wer bei einem ahnungslosen Menschen einen Moment der Verwirrung herbeiführt und in diesen Moment eine Anweisung setzt, umgeht dessen Urteil. Das ist Manipulation, auch wenn die Absicht freundlich ist.

Vier Fragen helfen bei der Entscheidung:

  • Weiß das Gegenüber Bescheid, oder würde es zustimmen? Im Coaching gehört die Vereinbarung an den Anfang. Unter Kollegen reicht oft ein Satz wie „Darf ich kurz unterbrechen? Ich glaube, wir drehen uns im Kreis.“
  • Unterbrechen Sie das Muster oder die Person? Wer die Form eines Gesprächs ändert, stellt niemanden bloß. Wer den Handschlag eines Bewerbers ins Leere laufen lässt, um ihn zu verunsichern, tut genau das.
  • Wem nützt der Moment danach? In den Beispielen oben nutzen beide Seiten die Pause. Wer sie nutzt, um einem Fremden am Telefon etwas zu verkaufen, nutzt sie für sich.
  • Ist es ein Muster oder ein Leiden? Grübeln, das über Wochen den Schlaf raubt, Zwänge oder eine Sucht sind kein Fall für einen Trick. Dafür sind Hausarzt oder Psychotherapie der richtige Weg. Trance-formations nennt als Beispiel, einem Raucher die Zigarette aus der Hand zu nehmen. Das unterbricht den Ablauf für einen Moment, einen Rauchstopp bewirkt es nicht.

Studien zum Pattern Interrupt als NLP-Technik kenne ich nicht. Was die Forschung zu NLP insgesamt zeigt, fasse ich im Abschnitt Kritik an NLP: Was die Forschung sagt zusammen.

Übung: ein eigenes Muster eine Woche lang unterbrechen

Sie brauchen am ersten Tag zehn Minuten und einen Zettel, danach jeden Abend eine Minute.

  1. Ein Muster wählen. Nehmen Sie einen kleinen Ablauf bei sich selbst, der Sie stört, aber nicht belastet, etwa den Griff zum Handy.
  2. Den Ablauf aufschreiben. Notieren Sie den Auslöser, die erste Bewegung und das, was am Ende meistens steht.
  3. Unterbrechung und nächsten Schritt festlegen. Schreiben Sie beides in einen Satz, etwa „Wenn ich zum Handy greife, stehe ich auf und notiere, was ich als Nächstes prüfe.“
  4. Eine Woche lang zählen. Notieren Sie abends mit Strichen, wie oft Sie den Ablauf bemerkt und wie oft Sie ihn unterbrochen haben. Schon das Bemerken zählt.
  5. Nach sieben Tagen auswerten. Hat sich am Ende des Ablaufs etwas geändert? Wirkt die Unterbrechung noch, oder ist sie selbst zur Gewohnheit geworden? Im zweiten Fall wechseln Sie sie oder fragen sich, wozu das Muster bisher gut war.

Häufige Fragen

Was heißt Pattern Interrupt auf Deutsch?

Musterunterbrechung. Gemeint ist eine bewusste Störung in einem Ablauf, der sonst automatisch weiterliefe. Die Kurzdefinition und die Herkunft aus der Hypnose stehen im Lexikoneintrag.

Ist ein Pattern Interrupt Manipulation?

Wer jemanden ohne dessen Wissen verwirrt und den Moment für eine Anweisung nutzt, manipuliert. Wer eine Unterbrechung vereinbart oder bei sich selbst einsetzt, tut das nicht. Ein einfacher Test ist, ob Sie hinterher erklären könnten, was Sie getan haben, ohne dass sich das Gegenüber vorgeführt fühlt.

Was ist der Unterschied zwischen Pattern Interrupt und Separator?

Ein Separator beendet einen Zustand zwischen zwei Schritten einer Übung, etwa mit einer Frage nach dem Mittagessen. Ein Pattern Interrupt stört einen Ablauf, der sich sonst wiederholen würde. Die Handlung kann dieselbe sein, der Zweck ist ein anderer.

Wirkt ein Pattern Interrupt jedes Mal?

Nein. Eine Unterbrechung, die immer gleich ausfällt, wird mit der Zeit selbst zum Muster. Nutzen Sie den Moment, um das eigentliche Thema zu klären, oder wechseln Sie die Unterbrechung.

Ist der Pattern Interrupt wissenschaftlich belegt?

Studien dazu kenne ich nicht. Die Beschreibungen stammen aus Büchern über Hypnose und NLP, vor allem aus Trance-formations von Bandler und Grinder. Sie erklären das Vorgehen, belegen aber keine Wirkung.

Mit Begleitung üben

Die richtige Stelle für eine Unterbrechung sieht oft erst jemand, der den Ablauf von außen beobachtet. Im Coaching für Beruf und Führung arbeiten wir an Gesprächen und Gewohnheiten, die immer gleich laufen, und prüfen, ob eine Unterbrechung dafür das passende Werkzeug ist. Einen Überblick über weitere Techniken mit Kurzanleitungen gibt die Liste der NLP-Techniken.

Möchten Sie das auf Ihren Kontext übertragen?

Im Erstgespräch sprechen wir über Ihr konkretes Anliegen und einen sinnvollen nächsten Schritt.