Rechtschreibstrategie: ein Wort als Bild abrufen
Kurzdefinition
Die Rechtschreibstrategie ist ein NLP-Ablauf, bei dem ein Kind ein Wort nicht nach Gehör schreibt, sondern es als inneres Bild abruft. Ein Gefühl von richtig oder falsch dient danach als Prüfung.
Ausführlich erklärt
Entwickelt hat die Strategie Robert Dilts. Sie ist eine Strategie im NLP-Sinn, also eine feste Abfolge innerer Schritte. John Grinder fasst sie zusammen als visuelle Erinnerung, gefolgt von einer Prüfung über das Gefühl.
Ein üblicher Ablauf mit einem Kind:
- Das Wort ansehen. Das Kind liest das Wort auf einer Karte.
- Ein Bild machen. Es schaut weg oder schließt die Augen und stellt sich das Wort vor, Buchstabe für Buchstabe.
- Vergleichen. Es sieht wieder auf die Karte. Fehlt im Bild ein Buchstabe, prägt es sich die Stelle neu ein.
- Rückwärts buchstabieren. Steht das Bild fest, soll das Kind das Wort auch rückwärts aufsagen können. Diesen Test führt Grinder auf Dilts zurück.
- Auf das Gefühl achten. Beim Schreiben soll ein Gefühl melden, ob das Wort stimmt.
Grinder selbst bezweifelt, dass Bild und Gefühl wirklich nacheinander kommen. Er hält es für möglich, dass beides zugleich da ist und nur nacheinander bemerkt wird. Manche Anleitungen schreiben außerdem eine Blickrichtung vor. Was davon zu halten ist, steht bei den Augenzugangshinweisen.
Beispiel: die Wörter für das Diktat
Angenommen, ein Vater übt mit seiner Tochter in der dritten Klasse die Wörter für das nächste Diktat. Sie schreibt "Fahrad" mit einem r. Bisher hat er das Wort dann deutlich vorgesprochen, was nicht geholfen hat, denn man hört das zweite r kaum.
Diesmal legt er eine Karte hin. Sie sieht das Wort an, schließt die Augen und buchstabiert es rückwärts. Beim ersten Versuch fehlt ein r, beim dritten stimmt es.
Im Diktat am Freitag schreibt sie "Fahrrad" richtig, "Mannschaft" wieder mit einem n. Ob das am Bild lag oder schlicht am Üben, kann der Vater nicht sagen.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Grinder schreibt, die Trefferquote der Kinder nähere sich nach kurzem Üben schnell 100 Prozent. Belege für diese Zahl nennt er in dem Text nicht, und eine Studie, die sie bestätigt, kenne ich nicht. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.
- Sie hilft nur bei Wörtern, die das Kind schon gesehen hat. Das räumt auch Grinder ein. Ein neues Wort lässt sich nicht aus einem Bild abrufen, das es noch nicht gibt. Rechtschreibregeln ersetzt die Strategie deshalb nicht.
- Sie ersetzt keine Abklärung. Hat ein Kind trotz Übens dauerhaft große Schwierigkeiten, sollten Eltern mit der Lehrkraft sprechen und eine Lese-Rechtschreib-Störung abklären lassen. Dafür gibt es Fachleute und Förderung, die eine Übung aus dem NLP nicht ersetzt.
Verwandte Begriffe
- Strategien
Was NLP unter einer Strategie versteht und wie man sie erfragt.
- Augenzugangshinweise
Warum eine vorgeschriebene Blickrichtung wenig für sich hat.