Re-Imprinting: einen Glaubenssatz bis zu seinem Anfang zurückverfolgen
Kurzdefinition
Re-Imprinting ist ein NLP-Format, das einen hinderlichen Glaubenssatz bis zu der Erinnerung zurückverfolgt, in der er entstanden sein soll. Dort geben Sie in der Vorstellung sich selbst und den anderen Beteiligten, was ihnen damals gefehlt hat.
Ausführlich erklärt
Das Format stammt von Robert Dilts. Er beschrieb es 1990 in Changing Belief Systems with NLP, zusammen mit weiteren Formaten für die Arbeit an Überzeugungen. Imprint heißt Prägung. Gemeint ist ein Erlebnis, oft aus der Kindheit, aus dem jemand einen Schluss über sich selbst gezogen hat, etwa "Was ich sage, zählt nicht".
Beim Prüfen eines Glaubenssatzes wägen Sie Belege ab. Das Re-Imprinting arbeitet stattdessen mit der Erinnerung selbst. Der Ablauf mit einer Begleitung:
- Den Glaubenssatz spüren. Sie stellen sich auf eine Timeline am Boden und gehen in eine aktuelle Situation, in der die Überzeugung wirkt.
- Zurückgehen. Sie gehen auf der Linie langsam rückwärts, bis zu einer frühen Erinnerung, in der das Gefühl schon da war.
- Aussteigen. Sie treten neben die Linie und sehen sich die Szene von außen an.
- Die Szene verstehen. Was hat das jüngere Ich daraus geschlossen? Was wollten die anderen Beteiligten, etwa ein Elternteil, und was fehlte ihnen in dem Moment?
- Ressourcen geben. Jede wichtige Person in der Szene bekommt in der Vorstellung die Fähigkeit oder Haltung, die ihr gefehlt hat.
- Neu erleben und vorwärtsgehen. Sie gehen zurück in die Szene, erleben sie mit diesen Ressourcen und gehen dann auf der Linie bis in die Gegenwart.
Verwandt ist die Change History. Dort bekommen nur Sie selbst eine Ressource. Beim Re-Imprinting bekommen auch die anderen Menschen in der Szene eine.
Beispiel: der Widerspruch in der Geschäftsführungsrunde
Angenommen, eine Projektleiterin schweigt in Runden mit der Geschäftsführung, obwohl sie Einwände hat. Hinterher ärgert sie sich. Ihr Satz dazu lautet: "Wenn ich widerspreche, gibt es Ärger."
Auf der Timeline landet sie bei einem Abendessen, als sie neun war. Sie hatte ihrem Vater widersprochen, und er hatte sie angeschrien. Von außen sieht sie einen Mann, der nach einer Doppelschicht nur Ruhe wollte, und ein Kind, das daraus schloss, dass Widerspruch gefährlich ist. In der Vorstellung gibt sie dem Vater Gelassenheit. Dem Kind gibt sie das Wissen, dass ein schlechter Abend nicht an ihm liegt.
In der nächsten Runde mit der Geschäftsführung meldet sie sich einmal zu Wort. Ihr Herz klopft trotzdem. Ob das an der Übung lag oder daran, dass sie sich fest vorgenommen hatte zu sprechen, kann sie nicht trennen.
Grenzen und häufige Missverständnisse
Studien zum Re-Imprinting kenne ich nicht. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.
Drei Dinge sollten Sie wissen:
- Re-Imprinting ist kein Ersatz für eine Psychotherapie. Das Format führt mit Absicht in frühe und oft schmerzhafte Erinnerungen. Wer Gewalt, Missbrauch oder andere schwere Erlebnisse hinter sich hat, gehört damit in psychotherapeutische Behandlung und nicht in eine Seminarübung.
- Die gefundene Szene ist eine Erinnerung von heute. Ob der Glaubenssatz wirklich dort entstanden ist, lässt sich nicht prüfen. Nehmen Sie das Ergebnis als Bild, mit dem Sie arbeiten. Eine Wahrheit über Ihre Eltern ist es nicht.
- Die Begleitung braucht Erfahrung. Wenn starke Gefühle hochkommen, muss jemand die Übung anhalten und Sie zurück in die Gegenwart holen können. Zwei Teilnehmende, die das Format gerade erst lernen, können das oft noch nicht.
Verwandte Begriffe
- Timeline
Die Linie am Boden, auf der das Re-Imprinting zurück in die Vergangenheit geht.
- Change History
Ein verwandtes Format, bei dem nur Sie selbst eine Ressource bekommen.
- Glaubenssatz
Wie Sie eine Überzeugung an Belegen prüfen, ohne in die Vergangenheit zu gehen.