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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Change History: eine Erinnerung neu durchgehen

Kurzdefinition

Change History ist ein NLP-Format, bei dem Sie eine belastende Erinnerung in der Vorstellung noch einmal durchgehen, diesmal mit einer Fähigkeit oder Haltung, die Ihnen damals gefehlt hat. Die Vergangenheit ändert sich dadurch nicht. Ändern soll sich, wie Sie heute auf ähnliche Situationen reagieren.

Ausführlich erklärt

Ausgangspunkt ist ein Gefühl, das in bestimmten Situationen immer wieder auftaucht und älter wirkt als der Anlass. Das Format sucht frühere Erlebnisse, in denen dasselbe Gefühl schon da war, und fragt, was Sie damals gebraucht hätten.

Der Ablauf in groben Schritten:

  1. Das Gefühl ankern. Sie erinnern sich an eine aktuelle Situation, und die Begleitung koppelt das Gefühl an eine Berührung, wie beim Ankern.
  2. Zurückgehen. Mit dem Anker als Spur gehen Sie in der Vorstellung zu früheren Situationen mit demselben Gefühl, bis zu einer frühen.
  3. Die fehlende Ressource finden. Sie fragen sich, was Ihnen damals gefehlt hat, etwa Ruhe, Mut oder das Wissen, dass es vorbeigeht. Diese Ressource holen Sie aus einer anderen Erinnerung und ankern sie getrennt, als Ressourcenzustand.
  4. Neu durchgehen. Mit diesem zweiten Anker gehen Sie die frühen Situationen noch einmal durch und beobachten, wie sie mit der Ressource verlaufen wären.
  5. Prüfen. Zum Schluss denken Sie an die aktuelle Situation und an eine künftige und achten darauf, wie Sie reagieren.

Ähnlich arbeitet die Timeline, bei der Erinnerungen auf einer gedachten Linie liegen und die Person zu einem früheren Punkt zurückgeht.

Beispiel: der Controller, der im Vorstand verstummt

Angenommen, ein Controller verstummt in Besprechungen, sobald ein Vorstand eine seiner Zahlen anzweifelt. Er weiß, dass die Zahl stimmt, und sagt trotzdem nichts. Hinterher ärgert er sich.

In einer Übung seiner Ausbildung geht er mit diesem Gefühl zurück. Er landet in einer Mathestunde der achten Klasse. Ein Lehrer hat seine richtige Lösung vor der Klasse als falsch abgetan, und er hat nicht widersprochen. Was hätte der Vierzehnjährige gebraucht? Die Gewissheit, dass er rechnen kann, sagt er, und jemanden, der zu ihm hält.

Die Gewissheit kennt er aus seiner Arbeit, wenn er einen Abschluss geprüft hat und weiß, dass alles stimmt. Mit diesem Gefühl geht er die Mathestunde noch einmal durch. In der Vorstellung steht der Junge auf und rechnet an der Tafel vor.

In der nächsten Vorstandssitzung zweifelt jemand eine Zahl an, und er antwortet. Ob die Übung das bewirkt hat oder sein Vorsatz, diesmal zu antworten, lässt sich nicht trennen.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Studien, die Change History als eigenes Format prüfen, kenne ich nicht. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.

Drei Einwände nehme ich ernst:

  • Erinnerungen sind keine Aufzeichnungen. Was Sie beim Zurückgehen finden, ist eine Erinnerung, und die kann sich beim Erinnern verändern. Ob die gefundene Szene der Ursprung des heutigen Gefühls ist, lässt sich nicht prüfen. Das Format braucht diese Annahme auch nicht.
  • Schwere Erlebnisse gehören in Fachhände. Erinnerungen an Gewalt, Vernachlässigung oder andere schwere Erfahrungen sind kein Übungsmaterial unter Seminarteilnehmern. Wer in der Übung auf so etwas stößt, bricht sie ab und sucht psychotherapeutische Hilfe.
  • Der Name verspricht zu viel. Die Geschichte bleibt, wie sie war. Ändern kann sich bestenfalls, wie Sie heute mit ihr umgehen.

Verwandte Begriffe

  • Ankern

    Die Kopplung von Reiz und Zustand, auf der jeder Schritt des Formats aufbaut.

  • Ressourcenzustand

    Was im NLP mit Ressource gemeint ist und wie Sie sie abrufen.

  • Timeline

    Erinnerungen und Pläne als Linie im Raum, mit eigener Kritik.

Change History im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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