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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Double Bind: zwischen zwei Botschaften gefangen

Kurzdefinition

Ein Double Bind, deutsch Doppelbindung, ist eine Lage, in der jemand zwei widersprüchliche Botschaften bekommt und keiner von beiden entgehen kann. Im NLP heißt so auch eine Frage, die zwei Antworten anbietet, die beide zum gewünschten Ziel führen.

Ausführlich erklärt

Der Begriff stammt aus einer Forschungsgruppe um den Anthropologen Gregory Bateson. Bateson, Don D. Jackson, Jay Haley und John Weakland stellten ihn 1956 im Aufsatz Toward a Theory of Schizophrenia in der Zeitschrift Behavioral Science vor. Sie wollten verstehen, wie in Familien kommuniziert wird, in denen jemand an Schizophrenie erkrankt war.

Nach ihrer Beschreibung kommen mehrere Bedingungen zusammen. Jemand, oft ein Kind, bekommt von einer Person, von der er abhängt, eine Forderung. Eine zweite Botschaft auf einer anderen Ebene widerspricht ihr, etwa der Tonfall oder eine Geste. Er kann die Lage nicht verlassen und den Widerspruch nicht ansprechen. Und das wiederholt sich. Im Alltag klingt eine milde Form so: "Sei doch mal spontan!" Wer jetzt spontan ist, gehorcht nur.

Der Psychiater Milton H. Erickson, der Batesons Gruppe beriet, nutzte die Form in der Therapie in die andere Richtung. Beide Wege, die er anbot, führten zu etwas, das dem Klienten nützen sollte. Im NLP taucht der Begriff meist neben dem Milton-Modell auf. Die häufigste Form ist die Scheinalternative:

  • "Wollen Sie das heute klären oder lieber morgen früh?"
  • "Fangen Sie mit dem leichteren oder dem schwierigeren Punkt an?"

Beide Fragen setzen voraus, dass überhaupt geklärt oder angefangen wird. Das ist eine Präsupposition. Das Gegenüber wählt den Zeitpunkt oder die Reihenfolge, die Frage nach dem Ob stellt sich nicht mehr.

Beispiel: Kritik ist erwünscht

Angenommen, ein Geschäftsführer sagt in jeder Leitungsrunde, er wolle offene Kritik hören. Wenn jemand Kritik äußert, verschränkt er die Arme und fragt knapp, ob es noch etwas gibt.

Eine Abteilungsleiterin hört beide Botschaften. Schweigt sie, übergeht sie seine Bitte. Spricht sie, riskiert sie seine Laune. Im Coaching fällt ihr auf, dass sie in den Runden seit Monaten nur noch Zahlen vorträgt.

Ihre Coachin fragt, ob sie den Widerspruch selbst ansprechen kann, unter vier Augen und ohne Vorwurf. Nach der nächsten Runde sagt sie zu ihm: "Sie bitten um Kritik, und wenn sie kommt, wirkt es auf mich, als störe sie. Woran soll ich mich halten?"

Er ist überrascht und sagt, er habe in dem Moment nur an den nächsten Termin gedacht. Ob sich in den Runden etwas ändert, ist offen. Sie weiß jetzt, wie er es gemeint hat. Das Ansprechen ist der Schritt, den ein echter Double Bind nicht zulässt.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Zur Scheinalternative als NLP-Technik kenne ich keine Studie. Mehr zur Studienlage steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.

Zwei Punkte sollten Sie kennen:

  • Wer die Absicht merkt, fühlt sich gelenkt. "Dienstag oder Donnerstag?" passt, wenn der Termin schon vereinbart ist und nur der Tag fehlt. Wer damit eine Zusage erzwingen will, die es noch nicht gibt, verspielt Vertrauen. Ich ziehe die Grenze wie beim Milton-Modell dort, wo die Frage eine Absicht verbergen soll.
  • Der Begriff hat zwei Bedeutungen. Bei Bateson beschreibt Double Bind eine Kommunikation, die Menschen in die Enge treibt. Im NLP-Seminar heißt oft eine Gesprächstechnik so. Wer das verwechselt, hält eine belastende Familienlage für einen Trick oder einen Trick für harmlos.

Verwandte Begriffe

  • Milton-Modell

    Die Sprachmuster nach Milton H. Erickson, neben denen der Double Bind meist gelehrt wird.

  • Präsupposition

    Die Vorannahme, auf der jede Scheinalternative beruht.

Double Bind (Doppelbindung) im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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