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Thilo Krause
NLP-Lexikon

Metaphern im NLP: Geschichten, die ein Anliegen spiegeln

Kurzdefinition

Eine Metapher ist im NLP eine Geschichte, deren Figuren und Handlung der Lage eines Menschen nachgebaut sind, ohne sie direkt zu nennen. Sie endet mit einer Lösung, die der Zuhörer auf seine eigene Lage übertragen kann, aber nicht muss.

Ausführlich erklärt

Im Alltag ist eine Metapher ein einzelnes Bild, etwa "Das Projekt ist eine Baustelle". NLP meint meist eine ganze Geschichte. David Gordon beschrieb in Therapeutic Metaphors (Meta Publications, 1978), wie sich solche Geschichten gezielt bauen lassen, statt sie nur aus dem Bauch zu erzählen.

Der Aufbau in vier Schritten:

  1. Das Anliegen erfassen. Wer ist beteiligt, wie verläuft der Konflikt, wo hängt es fest? Dabei helfen die Fragen aus dem Meta-Modell.
  2. Einen anderen Schauplatz wählen. Die Geschichte spielt woanders, etwa in den Bergen statt in der Abteilung. Je weiter der Schauplatz weg ist, desto weniger fühlt sich der Zuhörer ertappt.
  3. Die Struktur übertragen. Jede Person und jede Beziehung aus dem Anliegen bekommt eine Entsprechung in der Geschichte. Im NLP heißt eine solche Geschichte isomorphe Metapher.
  4. Eine Lösung einbauen. Die Figuren finden einen Ausweg, der auch in der echten Lage denkbar wäre. Die Geschichte erklärt ihn nicht.

Wie die Sprachmuster des Milton-Modells lassen Metaphern mit Absicht offen, was sie bedeuten. Der Zuhörer füllt sie selbst. Im Gespräch reicht oft eine kurze Form, etwa eine Begebenheit aus einem anderen Team, die dieselbe Struktur hat.

Beispiel: zwei Bergführer und ein Pass

Angenommen, ein Abteilungsleiter erzählt seinem Coach von zwei erfahrenen Mitarbeitern, die sich gegenseitig blockieren. Jeder wartet, dass der andere den ersten Schritt macht, und er steht dazwischen.

Der Coach schlägt keine Lösung vor. Er erzählt von zwei Bergführern, die eine Gruppe über einen Pass bringen sollen und sich nicht einig werden, wer vorangeht. Der Hüttenwirt, bei dem sie übernachten, fragt nicht, wer recht hat. Er fragt jeden, welchen Abschnitt des Wegs er am besten kennt. Am Morgen führt der eine bis zur Scharte und der andere beim Abstieg.

Der Abteilungsleiter sagt dazu erst nichts. Eine Woche später teilt er das Projekt in zwei Phasen und gibt jedem Mitarbeiter eine. Ob die Geschichte dabei eine Rolle gespielt hat, sagt er nicht, und der Coach fragt nicht nach.

Die Geschichte hätte auch ins Leere gehen können. Dann wäre sie eine Anekdote gewesen, und das Gespräch wäre mit einer direkten Frage weitergegangen.

Grenzen und häufige Missverständnisse

Studien, die NLP-Metaphern als eigenes Werkzeug prüfen, kenne ich nicht. Mehr zur Studienlage bei NLP steht im Abschnitt zur Kritik an NLP.

Drei Einwände nehme ich ernst:

  • Eine Geschichte kann belehren. Merkt der Zuhörer, worauf sie hinauswill, fühlt er sich vorgeführt. Dann erzählen Sie lieber gar nichts und fragen direkt.
  • Die Wirkung lässt sich kaum prüfen. Ob jemand etwas wegen einer Geschichte tut, weiß oft nicht einmal er selbst. Eine Metapher ist deshalb ein Angebot. Als Beleg dafür, dass ein Gespräch gewirkt hat, taugt sie nicht.
  • Eine Geschichte überzeugt ohne Argument. Im Coaching ist das Ziel mit dem Klienten abgesprochen. In einem Verkaufsgespräch, das nur auf den Abschluss zielt, halte ich dieselbe Technik für Manipulation.

Verwandte Begriffe

  • Milton-Modell

    Sprachmuster, die wie Metaphern offen lassen, was sie bedeuten.

  • Meta-Modell

    Die Fragen, mit denen Sie ein Anliegen erfassen, bevor Sie eine Geschichte bauen.

Metaphern im NLP im Training üben

Im NLP-Training probieren Sie die Modelle an Gesprächen aus Ihrem eigenen Arbeitsalltag aus. Dazu gehört, wann ein Werkzeug passt und wann nicht.

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