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Thilo Krause
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Thilo Krause

Feedback, das ankommt — und warum die Sandwich-Methode dabei stört

Lob, Kritik, Lob — die bekannteste Feedbackregel sorgt vor allem dafür, dass die Kritik nicht ankommt und das Lob unglaubwürdig wird. Was stattdessen wirkt und woran Sie merken, ob Ihre Rückmeldung verstanden wurde.

Zwei Kolleginnen im Gespräch in einem hellen Büro

Nach einigen Monaten in einer Führungsrolle kennt fast jeder den Effekt: Man beginnt ein Gespräch mit einer freundlichen Bemerkung, und das Gegenüber wird sofort angespannt. Nicht wegen der Bemerkung — sondern weil klar ist, was gleich kommt.

Die Sandwich-Methode ist so verbreitet, dass sie durchschaut wird. Und sobald sie durchschaut ist, richtet sie doppelten Schaden an: Die Kritik in der Mitte wird als das eigentliche Anliegen erkannt und dadurch überbewertet, und das Lob am Anfang und Ende verliert seine Glaubwürdigkeit — auch rückwirkend, für alle früheren Male, in denen es ehrlich gemeint war.

Der Konstruktionsfehler liegt tiefer als in der Reihenfolge. Er liegt darin, dass die Methode ein Problem des Sprechenden löst, nicht eines des Zuhörenden.

Wofür Feedback eigentlich da ist

Es soll eine Verhaltensänderung ermöglichen. Nicht: eine Bewertung mitteilen. Wenn nach dem Gespräch nicht klar ist, was künftig anders sein soll, war es Bewertung — unabhängig davon, wie freundlich sie verpackt war.

Es braucht eine gemeinsame Beobachtung. Bevor über eine Änderung gesprochen werden kann, müssen beide Seiten dieselbe Situation vor Augen haben. Das ist der Schritt, der am häufigsten übersprungen wird, weil er dem Sprechenden trivial erscheint. Für die andere Seite ist er es nie.

Es endet mit einer Vereinbarung, nicht mit Zustimmung. „Verstanden" ist kein Ergebnis. Ein Ergebnis ist ein benanntes anderes Vorgehen und ein Zeitpunkt, an dem man daraufschaut.

Warum die üblichen Regeln nicht tragen

Das Sandwich schützt den Sprechenden. Es entsteht aus dem Unbehagen, etwas Unangenehmes zu sagen. Die Verpackung senkt das eigene Unbehagen und erhöht die Deutungsarbeit beim Gegenüber. Der Aufwand wird also von dem, der weiß, worum es geht, zu dem verschoben, der es herausfinden muss.

„Ich-Botschaften" allein reichen nicht. „Ich habe den Eindruck, dass Sie sich nicht ausreichend einbringen" ist grammatisch eine Ich-Botschaft und inhaltlich eine Bewertung ohne Beobachtung. Die Form hilft nur, wenn der Inhalt konkret ist.

„Zeitnah" wird überschätzt, „konkret" unterschätzt. Rückmeldung soll zeitnah kommen, aber eine unpräzise Rückmeldung am selben Tag ist schlechter als eine präzise drei Tage später. Wer sich für Genauigkeit eine Nacht Zeit nimmt, verliert wenig und gewinnt viel.

Was stattdessen wirkt

Beobachtung, Wirkung, Bitte — in dieser Reihenfolge. Erst die Situation ohne Bewertung: „Im Statusmeeting am Dienstag haben Sie den offenen Punkt zur Schnittstelle nicht angesprochen." Dann die Wirkung: „Der Kunde hat ihn am Donnerstag erfahren, und wir standen ohne Vorbereitung da." Dann die konkrete Bitte: „Ich möchte, dass offene Risiken im Statusmeeting genannt werden, auch wenn noch keine Lösung existiert." Drei Sätze, keine Verpackung.

Ein Anliegen pro Gespräch. Zwei Themen bedeuten, dass eines untergeht — meist das wichtigere, weil das zweite den emotionalen Rest abbekommt.

Die Wirkung benennen, nicht die Person bewerten. „Wir standen ohne Vorbereitung da" ist überprüfbar. „Sie sind nicht transparent genug" ist ein Urteil über einen Menschen und erzeugt Verteidigung statt Veränderung.

Nach der Sicht der anderen Seite fragen — und die Antwort ernst nehmen. Häufig gibt es einen Grund, den Sie nicht kannten. Wenn Sie die Frage stellen, ohne bereit zu sein, Ihre Einschätzung zu ändern, merkt das jeder. Dann können Sie sie auch weglassen.

Lob trennen. Anerkennung wirkt, wenn sie für sich steht und konkret ist. Als Rahmen für Kritik verliert sie ihre Funktion — und mit ihr die Möglichkeit, überhaupt noch glaubwürdig zu loben.

Woran Sie merken, dass es angekommen ist

Es kommt eine Rückfrage. Wer verstanden hat und mitdenkt, fragt nach: nach dem Rahmen, nach einer Ausnahme, nach dem Umgang mit einem ähnlichen Fall. Ein Gespräch ohne jede Rückfrage ist meist eines, in dem die andere Seite auf das Ende gewartet hat.

Es wird widersprochen. In gut geführten Rückmeldegesprächen kommt Widerspruch vor. Sein völliges Fehlen ist kein Zeichen von Klarheit, sondern von Vorsicht.

Es gibt eine benannte nächste Situation. „Beim nächsten Statusmeeting am Dienstag schaue ich darauf, wie es läuft." Ohne diesen Punkt endet das Gespräch im Ungefähren, und Ungefähres erzeugt keine Veränderung.

Was ich für die Praxis vorschlagen würde

Nehmen Sie sich für das nächste schwierige Gespräch fünf Minuten Vorbereitung und beantworten Sie schriftlich drei Fragen: Welche konkrete Situation? Welche Wirkung hatte sie? Was genau soll künftig anders sein?

Wenn Sie eine dieser drei Fragen nicht in einem Satz beantworten können, ist das Gespräch noch nicht vorbereitet. Meist ist es die dritte — und dann ist das Anliegen noch kein Anliegen, sondern ein Unbehagen.

Feedback wird nicht dadurch besser, dass es weicher verpackt ist. Es wird besser, wenn die andere Person danach genau weiß, welche Situation gemeint war und was Sie künftig erwarten. Alles, was diesem Zweck nicht dient, dient dem eigenen Unbehagen.

Möchten Sie das auf Ihren Kontext übertragen?

Im Erstgespräch sprechen wir über Ihr konkretes Anliegen und einen sinnvollen nächsten Schritt.